Sozialraum-/Quartiersmanagement – Gestaltung inklusiver Sozi-alräume und Stadtviertel

„Wir am Mattlerbusch“ - Quartiersmanagement in Duisburg

Kurzdarstellung der Aktivität

Wohnquartier am Könzgenplatz (Duisburg) für Menschen mit und ohne Behinderung

Gegenwärtig zeigt sich nicht nur das Problem bzw. das Fehlen entsprechend barriererfreier Wohnräume. Festzustellen ist auch, dass häufig noch unzureichende Berührungspunkte und Begegnungsmöglichkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen in der Nachbarschaft gegeben sind. Die Fragen was der Sozialraum sowohl für den Einzelnen als auch im Gesamten ausmacht und wie er entsprechend für alle gestaltet werden kann bleiben häufig außen vor. Ein sozialräumlicher Ansatz bietet die Chance den Blick auf Nutzungsmöglichkeiten (z.B. was sind Begegnungsorte), Unterstützungsangebote (welche soziale Dienste gibt es) und auf Bindungsstrukturen (was gibt es für Netzwerke, Interaktionen o.ä.) zu richten – d.h. auf mögliche Ressourcen des Sozialraums. Oft finden sich auch keine Verknüpfungen mit einer lebensweltlichen Unterstützung des Einzelnen mit dem Sozialraum im Ganzen. Bürger/innen wirken eher weniger bei der Gestaltung des Sozialraums mit, wo doch sie es sind, die in diesem leben und sich umso mehr mit diesen identifizieren können.

Sozialraumorientierte Ansätze und Ansätze des Quartiersmanagement, welche die soziale Einbindung aller ins Gemeinwesen forcieren, finden im Zuge der Dezentralisierung / Regionalisierung zunehmend Anwendung. Exemplarisch für ein solches Quartiersmanagement wird das inklusive, partizipativ ausgerichtete Wohn- und Nachbarschaftsprojekt „Wir am Mattlerbusch“ zur detailliert beschrieben.

 

 „Wir am Mattlerbusch“ ist ein sozialraumorientiertes und barrierefreies Wohnquartier für derzeit 85 Menschen mit und ohne Behinderung, jung und alt, Familien und Alleinstehende mitten in den Sozialräumen Oberhausen-Holten und Duisburg-Röttgersbach.
 

In einer Kooperation zwischen dem Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Alsbachtal e.V. und dem Netzwerk Heilpädagogischer Hilfen Niederrhein des Landschaftsverbands Rheinland (LVR-HPH-Netz Niederrhein) wurde seit 2010 ein inklusives und generationsübergreifendes Wohn- und Nachbarschaftsprojekt entwickelt. Am Standort in Duisburg-Röttgersbach ist ein modernes Projekt mit individuellen Wohnangeboten für Menschen mit und ohne Behinderung aller Altersgruppen entstanden. Auch ambulante Dienste sind vor Ort ansässig, sodass eine passgenaue Unterstützung eines jeden Anwohners gewährleistet werden kann. Wesentlich sind hierbei das Instrument des Quartiersmanagements und der darin berücksichtigte Ansatz der Sozialraumorientierung. Aber auch die Netzwerkarbeit ist hier zentral. Die Orientierung an den Stärken jedes Einzelnen, sowie den Ressourcen des sozialen Raums werden in die lebensweltliche Unterstützung des Sozialraummanagements einbezogen. Ebenso zum Tragen kommen bei diesem Projekt ein funktionierendes nachbarschaftliches Netzwerk, dass zugleich ein bürgerschaftlichen Engagements fördert und eine insgesamt partizipative Projektausrichtung und Planung.

Ziel ist es, die Bürger des Sozialraums mit allen erdenklichen Institutionen und Ansprechpartnern zu vernetzen. Ein weiteres Ziel besteht darin, bereits bestehende Angebote im Sozialraum für Menschen mit Behinderung zu öffnen. Zudem finden im Sozialraum öffentliche kulturelle Veranstaltungen statt.

Das Projekt leistet einen Beitrag zum gemeindenahen und selbstbestimmten Wohnen gemäß Artikel 19 der UN-BRK (unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft). Die vielfältigen Angebote fördern zugleich die kulturelle Teilhabe im Sinne von Artikel 30 der UN-BRK (Teilhabe am kulturellen Leben, sowie an Erholung, Freizeit und Sport). Durch die Sensibilisierung der Akteure im Sozialraum hinsichtlich möglicher Barrieren und der Öffnung ihrer bestehenden Angebote wird der Bewusstseinsbildung gemäß zu gleichermaßen Artikel 8 der UN-BRK Rechnung getragen.

Lebensbereich

  • Wohnen
  • Bürgerschaftliches Engagement
  • Öffentlicher Raum
  • Kommunikation und Interaktion
  • Unterstützung
  • Freizeit

Gebietskörperschaft

  • Kreisfreie Stadt (Duisburg)

Einwohnerzahl

ca. 485.000

Zuordnung zu Dimensionen

  • Gestaltung einer barrierefreien Infrastruktur
  • Planung und Entwicklung von flexiblen und inklusionsorientierten Unterstützungsdiensten für Menschen mit Behinderungen
  • Partizipation und Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen
  • Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für die Idee der Inklusion

Ausschlaggebender Impuls

Der Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Alsbachtal, der für die Initiierung ausschlaggebend war,  ist 1965 aus einer Elterninitiative entstanden. Ähnlich entstand auch die Projektidee für das inklusive Wohnquartier. Der Wunsch von Eltern, dass auch für ihre Kinder mit einer Schwerstmehrfachbehinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft leben können stand im Vordergrund. Im Zuge der Ambulantisierung  und dem Prozess der Inklusion wurde die Idee zu einem inklusiven Wohnquartier weiterentwickelt. Menschen mit Behinderung sollen in kleinen Wohneinheiten mit individueller Begleitung gefördert werden und ein Leben in der Gesellschaft mit Menschen mit und ohne Behinderung ermöglicht werden. Dabei steht die aktive Beteiligung im Wohnquartier und im Sozialraum im Vordergrund.

So wurde in einer Kooperation zwischen dem Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Alsbachtal e.V. und dem Netzwerk Heilpädagogischer Hilfen Niederrhein des Landschaftsverbands Rheinland (LVR-HPH-Netz Niederrhein) seit 2010 das inklusives und generationsübergreifendes Wohn- und Nachbarschaftsprojekt entwickelt. 2012 entstand dann das Wohnquartier. Insgesamt umfasst das Grundstück 6.900m2.

Ziele des Projekts

Mit dem Projekt eines sozialraumorientierten und barrierefreien Wohnquartiers und der Gestaltung eines inklusiven Sozialraums soll das gemeinsame Wohnen und v.a. das aktive und selbstbestimmte Leben im Sozialraum von Menschen mit und ohne Behinderung vorangetrieben werden. Das selbstformuliertes Ziel des Projekt besteht in der Schaffung eines aktiven, selbstbestimmen nachbarschaftlichem Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Dazu werden weitere folgende Ziele werden verfolgt:

Zusammenbringung / Stärkung der Nachbarschaft

Angestrebt wird ein funktionierendes nachbarschaftliches Netzwerk, das die Förderung eines bürgerschaftlichen Engagements unter Nutzung der individuellen Ressourcen ermöglicht: Jeder darf und soll sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einbringen und jeder ist wichtig für die Entwicklung der Gemeinschaft.

Vernetzung der Bürger/innen des Sozialraums

Um die Beteiligung jedes Einzelnen zusätzlich zu fördern sollen die Bürger/Innen mit allen denkbar und relevanten Institutionen und Ansprechpartnern im Sozialraum vernetzt werden. Durch diese Öffnung wird zum einen die gesellschaftliche Teilhabe der Anwohner/iInnen gefördert, zum anderen Inklusion im Sinne eines gleichberechtigten Miteinanders gelebt.

Sensibilisierung der Akteure der Sozialräume und Öffnung bestehender Angebote im Sozialraum

Akteure und Anbieter der Sozialräume werden darin sensibilisiert Barrieren überhaupt erst einmal wahrzunehmen und aktiv dabei unterstützt diese abzubauen und ihre Angebote inklusiv zu gestalten. Zu den Akteuren und Anbietern gehören die evangelische und katholische Gemeinden in Oberhausen Holten und Duisburg Röttgersbach, HIB (Holtener Interessen und Bürgergemeinschaft) Grundschulen und Kindertageseinrichtungen, Sportvereine, weitere Träger der Behindertenhilfe, soziale Organisationen, Geschäftsleute der Stadtteile sowie Katholische Arbeitnehmerbewegungen (KAB und EAB).  Die Sensibilisierung im Sozialraum erfolgt durch Begegnung und das aktive Miteinander bei Veranstaltungen und Aktionen im Sozialraum. Die Menschen mit Behinderung nehmen teil, sodass die Menschen im Sozialraum darauf aufmerksam werden und sich kennenlernen. Eine gezielte Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit durch das Quartiersmanagement intensiviert diesen Austausch und baut Barrieren und Ängste ab. Gleichzeitig findet durch das Quartiersmanagement und die Mitarbeiter/innen im Quartier eine Aufklärung über das Thema Behinderung statt.

Bereits bestehende Angebote (wie z.B. Freizeit- und Bildungsangebote) sollen für Bürger/innen des gesamten Sozialraums zugänglich gemacht werden, sodass eine Vielzahl inklusiver Angebote für alle Bürger/innen gleichermaßen angeboten werden. Die Angebote sollen hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit geprüft und die Nutzung der Angebote für Menschen mit Behinderung bei Bedarf durch die Begleitung von Honorarkräften ermöglicht werden.

Die Überprüfung und Identifizierung baulicher Probleme hinsichtlich Barrierefreiheit erfolgt mit Mietern im Quartier, aus dem Sozialraum und Vertretern der Politik durch einen Stadtteilspaziergang.  Mitarbeiter/innen  für die Quartiersarbeit gibt es neben dem Quartiersmanagement derzeit drei, zwei Honorarkräfte für einzelne Angebote und eine Koordinierungskraft mit einer halben Stelle. Zusätzlich gibt es drei Ehrenamtliche.

 

Bestehende Angebote konnten durch die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit bereits für Menschen mit Behinderung geöffnet werden. Bei vielen Aktionen in der Gemeinde nehmen Mieter/innen und Menschen mit Behinderung aus dem Quartier teil. Gleichzeitig wurden Angebote im Quartier organisiert und für den Sozialraum geöffnet. Eine rege Teilnahme konnte in den letzten Monaten verzeichnet werden. Des Weiteren sollen bedarfsgerecht neue Projekte gemeinsam entwickelt werden.

Die bereits etablierten Angebote innerhalb des Wohnprojektes werden für alle Bürger/innen im Sozialraum geöffnet, um ein aktives Miteinander und den Austausch der Bürger/innen zu ermöglichen.

Barrierefreie Gestaltung des Sozialraums

Der Mattlerbusch soll insgesamt barrierefreier gestaltet werden.

Die Ziele des Projektes knüpfen damit zunächst an Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention (unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft) an. Allen Bürger/innen wird ein gleichberechtigtes und weitestgehend selbstbestimmtes Leben mitten in der Gemeinde ermöglicht. Dies schließt das Wunsch- und Wahlrecht mit ein. Sie erhalten zum weitestgehend selbstständigen und selbstbestimmten Leben die individuell nötige Unterstützung dadurch, dass der Zugangs zu einer Reihe von gemeindenahen Unterstützungsdiensten zu Hause und in Einrichtungen sowie zu sonstigen gemeindenahen / ortsansässigen Unterstützungsdiensten hier im Sinne von Artikel 19 Abschnitt b der UN-BRK gefördert wird. Durch den Aufbau der Kooperationsstrukturen zu den vor Ort ansässigen ambulanten Diensten kann eine individuelle, passgenaue Unterstützung eines jeden Anwohners gewährleistet werden. Durch die Sensibilisierung der Akteure im Sozialraum hinsichtlich möglicher Barrieren und der Öffnung ihrer bestehenden Angebote wird der Bewusstseinsbildung gemäß Artikel 8 der UN-BRK Rechnung getragen.

Durch einen inklusiv bzw. barrierefrei gestalteten Sozialraum (Artikel 9 UN-BRK Zugänglichkeit) und die dort stattfindenden öffentlich-kulturellen Veranstaltungen wird der Teilhabe an Kultur und Freizeit im Sinne von Artikel 30 (Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport) der UN-BRK Rechnung getragen. Gefördert wird hierdurch gleichzeitig die persönliche Mobilität (Artikel 20 UN-BRK), unterstützt durch die Sensibilisierung der Akteure, die dadurch im Umkehrschluss barrierefreie Vorkehrungen initiieren. Auch das Wunsch- und Wahlrecht kommt hier in verschiedener Hinsicht zum Tragen; zum einen, dadurch, dass zunächst jede/r entscheiden kann, in welcher Wohnform, wie und mit wem er/sie leben möchte (ganz im Sinne des Artikels 19). Es gibt unterschiedliche Wohnungstypen (Ein-/ Zwei-/ Drei- oder Gruppenraumwohnungen) für Singles, Ehepaare, Familien mit Kindern (Artikel 30 Achtung der Wohnung und der Familie, sind welche bekannt?) Alleinerziehende usw. über alle Altersstufen und über mehrere Generationen hinweg. Und zum anderen durch den barrierefrei gestalteten Sozialraum, der es allen ermöglicht, sich weitestgehend selbstständig im öffentlichen Raum zu bewegen. Damit wird die Auswahl zu unterschiedlich angebotenen und barrierefrei ausgerichteten Veranstaltungen o.ä. und die Teilhabe an diesen ermöglicht. Bezüglich der Einbeziehung der Bürger/innen bei der Gestaltung des Sozialraums (Jeder darf und soll sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einbringen und jeder ist wichtig für die Entwicklung der Gemeinschaft’ wird insbesondere der Forderung aus Artikel 30 (2) nachgekommen. Hierin lautet es: Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft. Zudem ist dies in Verbindung mit Artikel 8 (Bewusstseinsbildung) 1c zu sehen; im Wohnquartier wird das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen gefördert. Der Beitrag jedes Einzelnen erfährt hier im besonderen Maße an Wertschätzung und wird gezielt unterstützt – bzw. in der weiteren Planung mit einbezogen.

Rechtlicher Rahmen

  • UN-BRK

Der rechtliche Rahmen gilt für die einzelnen Einrichtungen im Quartier (Finanzierung der Fachleistungsstunden etc.)

Für das Quartiersmanagement gibt es aber insgesamt keine speziellen rechtlichen Rahmenbedingungen.

Maßnahmen

Barrierefreie Gestaltung der Sozialräume & erstes Vorgehen

Die Lebensräume der Stadtteile Duisburg-Röttgersbach und Oberhausen-Holten, wo sich Mattlerbusch befindet, werden hierzu ausgeweitet, um zu einem sozialraumorientierten und barrierefreien Wohnquartier beizutragen. Das sozialraumorientierte und barrierefreie Wohnquartier Mattlerbusch wurde von Anbeginn an barrierefrei konzipiert und erbaut. Dies zeigt sich unter anderem in breiten Fluren, Aufzügen, Türöffnern, barrierefreien Mülltonnen und einem barrierefrei zugänglichen Sinnesgarten. Nach einer ersten Phase des Ankommens wurde im September 2012 von beiden Kooperationspartnern eine Bedarfsermittlung im Rahmen eines ersten Anwohner/Innen-Stammtisches durchgeführt. Im Fokus stand dabei die Frage, was sich die Mieter/innen für das Zusammenleben wünschen. Davon ausgehend wurden erste Kernaspekte für ein organisiertes Quartiersmanagement gesammelt. Schnell wurde deutlich, dass sich diese Angebote nicht nur auf das Wohnprojekt beschränken sollen, sondern zu beiden angrenzenden Stadtteilen geöffnet werden müssen. Nur so kann das aktive Miteinander im Sozialraum gefördert werden. Es wurden viele Ideen für regelmäßige Angebote gesammelt (Gemeinsames Mittagessen und Frühstück, Musikgruppe, Bewegungsangebot, Kreativgruppe, Gartengruppe). Alle Angebote werden im Quartier in jedem Haus am schwarzen Brett ausgehangen, gleichzeitig gibt es einen öffentlich zugänglichen Schaukasten auf dem Dorfplatz, wo die Angebote ausgehängt werden. Des Weiteren werden die Angebote im Stadtteil über E-Mail, Newsletter etc. weitergeleitet. Eine Veröffentlichung erfolgt auch in der Vereinszeitung des Alsbachtals und im Heft „Gemeinsam“ des Landschaftsverbandes. Die Aktionen finden meist im Café, Begegnungsstätte im Quartier oder on Räumlichkeiten im Stadtteil statt. Eine Anmeldung ist teilweise erforderlich. Welche Angebote gesetzt und entwickelt werden erfolgt in Abstimmung mit den Mietern. Ein Quartiersstammtisch jährlich fragt aktuelle Wünsche und Interessen ab. Zudem werden die Angebote reflektiert und bei Bedarf verändert. Das Quartiersmanagement kann dabei als Instrument genutzt werden, um der Notwendigkeit einer inklusiven Sozialraumorientierung gerecht zu werden. Der sozialraumorientierte Ansatz trägt dazu bei, nicht mehr nur den Menschen mit und ohne Behinderung im Wohnprojekt mit seinen individuellen Ressourcen und Möglichkeiten zu sehen, sondern darüber hinaus auch seine Umgebung mit in den Blick zu nehmen. Die Eigenverantwortlichkeit, Personalität, Gestaltungskraft der Bürger/Innen und der grundsätzliche Respekt unterschiedlicher Lebensentwürfe stehen dabei im Zentrum des Handelns. Die Orientierung an den Stärken jedes Einzelnen, sowie den Ressourcen des sozialen Raums werden in die lebensweltliche Unterstützung des Sozialraummanagements einbezogen. Das Wohnprojekt liegt zwischen zwei Sozialräumen. Zum einen liegt es auf Duisburger Gebiet und gehört zum Stadtteil Duisburg-Röttgersbach. Die Anbindung zum nahegelegenen Stadtteil Oberhausen-Holten ist durch die Erreichbarkeit und Infrastruktur ebenfalls sehr eng. Die Problematik dieser baulichen Position ist Ansatzpunkt des sozialraumorientierten Projektes und erfordert ein organisiertes Sozialraummanagement, um beide Sozialräume zu erschließen und diese miteinander zu vernetzen.

Das Wohngebiet ist durch zwei Bushaltestellen (ca. 200m entfernt) direkt an den ÖPNV angebunden. Über das Grundstück führt seit vielen Jahren eine fußläufige Wegeverbindung vom Stadtteil Holten in den Revierpark Mattlerbusch, somit hat der Wohnverbund einen direkten Zugang zum Naherholungsgebiet. Der Revierpark bietet mit Thermalbad, Sauna und Salzgrotte ideale Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für Familien mit Kindern, aber auch für schwerstbehinderte Menschen, die auf Begleitung angewiesen und ausschließlich im Rollstuhl mobil sind. Sie haben so die Möglichkeit an der naturnahe Naherholung teilzunehmen. Alle Wege in der Anlage sind autofrei – es finden sich vor und um die Gebäude ausreichend Stellmöglichkeiten für PKWs.

Einbeziehung der Bürger/innen

Die Wünsche und Anregungen der Bürger/innen geben hier eine inhaltliche Richtung vor. Ihre Beteiligung hat einen hohen Stellenwert. Erfasst werden die Ideen der Bürger/innen durch regelmäßige Bedarfserhebungen, welche individuell und je nach Möglichkeit durchgeführt werden. Zum Beispiel schriftlich, in leichter Sprache, mündlich durch Befragungen bzw. über Mitarbeiter/innen der Einrichtungen oder Angehörige. Das Forum der vor Ort zuständigen Netzwerkpartner überlegt sich geeignete Möglichkeiten für die stärker beeinträchtigen Bürger/innen. In die Gestaltung der sozialraumorientierten Angebote werden Menschen mit Behinderungen involviert und können sich je nach Interessenlage einbringen. Dabei sollen sie zum einen die Möglichkeit haben, mit notwendiger persönlicher Assistenz oder pädagogischer Begleitung an Freizeitaktivitäten und Foren im Sozialraum teilzunehmen (Kochtreff, Gartengruppe, Gottesdienste, Musikgruppe, Konzerte, usw.), zum anderen selbst (mit Unterstützung des Sozialraummanagements) Ausrichter von Freizeitaktionen sein oder sich anderweitig an der Arbeit im Sozialraum beteiligen.

Angebote des Sozialraums

Im Sozialraum bzw. in den Sozialräumen rund um das Wohnquartier finden öffentliche kulturelle Veranstaltungen statt. Zum Beispiel Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Informations- und Fortbildungsveranstaltungen, offene Beratungsangebote für alle Bürger/innen, Familien, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen zu verschiedenen Themen. Es können sowohl Räumlichkeiten im Wohnprojekt als auch im Sozialraum genutzt werden. Menschen mit Behinderung können hier sowohl Teilnehmer/innen als auch Veranstalter sein. Sie können Angebote als Veranstalter ausrichten. Eine Beteiligung und Vorbereitung der Veranstaltung erfolgt daraufhin mit den Mitarbeitern vor Ort (Hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Bedienung, Verkauf etc.) Durch die Sensibilisierung der Akteure durch Aufklärung der Behinderungsbilder und Verhaltensweisen. Beratung  hinsichtlich möglicher Barrieren und Anpassung der Angebote (Barrierefreiheit) können diese ihre bestehenden Angebote dementsprechend für alle zugänglich gestalten. Die bereits etablierten Angebote innerhalb des Wohnprojektes werden für alle Bürger/innen im Sozialraum geöffnet, um ein aktives Miteinander und den Austausch der Bürger zu ermöglichen. Zudem wird das Angebotsspektrum nach den Wünschen und Interessen der Bürger weiterentwickelt.

Sozialraummanagement

Wie dargestellt ist ein organisiertes Sozialraummanagement erforderlich, um beide Sozialräume zu erschließen und diese miteinander zu vernetzen. Das Sozialraummanagement wendet sich zum einen an alle derzeit 85 Anwohner und Nutzer/innen des Wohnprojektes, unabhängig von Alter, Einschränkungen oder anderweitigen Faktoren. Neben den Mietern zählen zum anderen auch die Kunden des Heilpädagogischen Zentrums des LVR-HPH-Netz Niederrhein zur Zielgruppe. Darüber hinaus sollen alle Anwohner des Sozialraums als Zielgruppe erreicht werden, da es sich bei dem Wohnprojekt nicht um ein geschlossenes System handelt. Dementsprechend sollen alle Bürger/innen in ein nachbarschaftliches und sozialraumorientiertes Netzwerk mit einbezogen werden. Die Ressourcen des Sozialraums werden durch das Sozialraummanagement analysiert. Für eine Sozialraumanalyse ist ein enger Kontakt zu Bürgern, aber auch zu Bezirksvertretungen, Institutionen, Verbänden, Kirchengemeinden, Geschäftsleuten, Schulen, Kindertageseinrichtungen und weiteren ortsansässigen Einrichtungen notwendig und erforderlich. Die Kontakte aufzubauen ist ein wichtiger Bestandteil des Sozialraummanagements.

Prioritäten bei Maßnahmen gibt es nicht direkt. Die ressourcenorientierte Planung ermöglicht die individuelle Gestaltung der einzelnen Maßnahmen für jeden Einzelnen.

Beteiligte und Netzwerke

Im Sozialraummanagement steht eine Vernetzung rund um das Quartier im Fokus. Ganz unterschiedliche Institutionen und Ansprechpartner/innen werden hier zu Projektpartnern:

  • LVR-HPH-Netz Niederrhein:
  • Evangelische und katholische Kirchengemeinden
  • Holtener Interessen- und Bürgergemeinschaft
  • Evangelische Stiftung Hephat
  • KAB
  • Kindergärten/Schulen:
  • Senioreneinrichtungen (u. a. ASB Seniorenzentrum Holten mit Schwerpunkt Demenzbegleitung)
  • Ärzte
  • Kultur- und Freizeitzentrum Wehofen
  • Bürger mit und ohne Behinderung aus den Stadtteilen
  • Einrichtungen für Menschen mit Behinderung
  • Revierpark Mattlerbusch
  • Volkshochschule
  • Sportvereine und das
  • Büro für Chancengleichheit in Oberhausen für die Vermittlung von Ehrenamtlichen.

Viele Kooperationen, Kontakte und gemeinsame Aktionen mit den Gemeinden und der Holtener-Interessen- und Bürgergemeinschaft konnten bereits initiiert werden. Iniitiiert wurden z.B. gemeinsame Gottesdienste, eine integrative Band wurde gegründet oder eine Kooperation bei Stadtteilfesten konnte aufgebaut werden.

Weitere Kooperationen sollen in den nächsten Jahren geschaffen werden.

Alle Bürger/innen im Sozialraum, selbstverständlich auch diejenigen mit geistiger und/ oder körperlicher Behinderung werden in die Planungen des Sozialraummanagements nicht nur miteinbezogen, sondern geben durch ihre Wünsche und Anregungen eine inhaltliche Richtung vor. Es gibt z.B. regelmäßige Bedarfserhebungen.

Die individuelle Beteiligung der Bürger/Innen an der Entwicklung des Sozialraums und ihr jeweils individueller Beitrag zur Entwicklung der Gemeinschaft sind freiwillig und unterliegen nur selbstverpflichtenden Vereinbarungen. Jede/r Bürger/In hat die Chance, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in die Gestaltung der Gemeinschaft mit einzubringen. Bezüglich der partizipierenden Personengruppe gibt es folglich keinen Schwerpunkt. Im Vordergrund steht ihre Teilhabe als auch Teilgabe – ihr bürgerschaftliches Engagement.

Das Sozialraummanagement unterstützt dabei, einen geeigneten Weg zu finden und individuelle Ressourcen sichtbar zu machen. Von den Bürgern im Sozialraum die geäußerten Wünsche zur Lebens- und Freizeitgestaltung werden durch das Sozialraummanagement aufgegriffen und durch das pädagogische Personal im Sozialraum angeregt, auf die Durchführbarkeit geprüft und organisiert. Die Teilhabe unabhängig, vom Grad der individuellen Einschränkung, wird dabei ermöglicht.

Insgesamt sind es drei Mitarbeiter/innen plus Quartiersmanagement und drei Ehrenamtliche und Mieter/innen im Quartier, die alle Angebote unterstützen.

Die federführende Verantwortung trägt das Quartiersmanagement.

Bezüglich des Hauptamtes der Mitarbeiter/innen ist eine Mitarbeiterin als Koordinierungsstelle mit einer halben Stelle beschäftigt. Ziel aller Mitarbeiter/innen ist die Selbstorganisation und eigenverantwortliche Beteiligung der Mieter/innen. Das Hauptamt soll sich weitestgehend zurückziehen. 

Hinsichtlich der Vertretung in regionale und überregionale Strukturen bzw. Einbindung wird dies durch die Teilnahme an Facharbeitskreisen, Gremien der einzelnen Städte, Vernetzung im Sozialraum (HIB etc.), Teilnahme an Fortbildungen und Fachtagungen zum Thema Quartiersarbeit ermöglicht.

Finanzierung und Ausstattung

Wohnungstypen

Das Wohnquartier bietet unterschiedliche Wohnungstypen an:

  • Am Könzgenplatz 1 gibt es u.a.

sechs Zweiraumwohnungen, zwei Gruppenwohnungen, ein Gemeinschaftsraum für Mieter/innen & ein Beratungsbüro,

eine Begegnungsstätte mit Café als wesentlicher Baustein des inklusiven, sozialraumorientierten Wohnverbundes. Sie ist nicht nur ein zusätzliches Angebot für die Nutzer des HPZ sondern gleichzeitig regelmäßiger Treffpunkt für alle Bewohner/innen des Quartiers, der Nachbarschaft und Besucher/innen des Revierparks.

  • Am Könzgenplatz 2 gibt es u.a.:

eine teilstationäre Wohneinrichtung des HPH-Netzes Niederrhein für 24 Menschen mit Behinderung

  • Am Könzgenplatz ¾ gibt es:

sechs Einraumwohnungen / drei Zweiraumwohnungen / zehn Dreiraumwohnungen

einen Büroraum für einen ambulanten Pflegedienst

und einen Gruppenraum zur Entwicklung gemeinschaftlicher Aktivitäten.

Die Mieterstruktur spiegelt den Ansatz der Inklusion des gesamten Wohnprojektes wider. In 19 Wohnungen leben Singles, Ehepaare, Familien mit Kindern, Alleinerziehende usw. über alle Altersstufen und über mehrere Generationen hinweg. Ca.1/3 der Mieter haben eine Behinderung. Es stehen Wohnungsgrundrisse zur Verfügung von ca. 50 – 100qm, um den individuellen Wohnbedürfnissen gerecht zu werden. Es wird eine individuelle Unterstützung angeboten, um die Mieter/innen bedarfsgerecht in ihrem Alltag zu begleiten.

Auf die verschiedenen Dienstleistungen der Alsbachtal gGmbH, aber auch auf Angebote weiterer Netzwerkpartner/innen kann in diesem Rahmen durch das Sozialraummanagement zurückgegriffen und weitere Kontakte vermittelt werden.

Das Projekt wird durch die Anmietung der Wohnungen über WBS und teilweise frei finanziert. Mittel Sozialer Wohnungsbau dienen hierzu.

Projektablauf und zeitliche Rahmung

Das Wohnquartier hat keine zeitliche Rahmung.

Offizieller Projektbeginn war Mai 2015 mit Bewilligung des Antrags bei der Aktion Mensch für Inklusionsprojekte für drei Jahre.

Die Öffentlichkeit wird durch regelmäßigen Austausch und Artikel in der Presse, Homepage, Gemeindenachrichten, Vereinszeitung, Flyer und Newsletter, Soziale Medien (Facebook) stets einbezogen und ist zentraler Bestandteil des Projekts (neben der Einbindung der Mieter/innen der Sozialräume).

Inklusive Ausrichtung des Projektes und Gemeinwesenbezug

Das Projekt zeichnet sich durch einen sehr starken Sozialraum-/Gemeinwesenbezug bzw. durch den Ansatz der Sozialraumorientierung aus. Ausgangspunkt der unterschiedlichen Maßnahmen bilden die zwei Sozialräume des Wohnquartiers, an denen sich orientiert wird. Die Gestaltung von Sozialräumen ist maßgebend für Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten jedes Einzelnen. Für alle sind neben dem eigenen Zuhause die Bedingungen des Sozialraums, in dem man sich bewegt und ihn gestaltet, entscheidend. Der Blick richtet somit auf die gesamte Infrastruktur – nicht nur auf das individuelle Wohnangebot, sondern auch auf das Wohnumfeld, in dem sich die Wohnung befindet; d.h. auf die Nutzungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote und auf die Vernetzungsstrukturen. Alle Menschen sind auf die Erreichbarkeit von Bildungs-, Arbeits- oder Freizeitmöglichkeiten angewiesen – auf eine gut funktionierender / barrierefreier ÖPNV. Hierzu werden die örtlichen Angebote und Akteure miteinander vernetzt. Unterschiedlich Akteure im Gemeinwesen werden auf Barrieren hin sensibilisiert, so dass der Sozialraum im Gesamten inklusiv gestaltet werden kann.

Der selbstverständlichen Einbeziehung von verschiedenen Menschen und der Individualität jedes Einzelnen wird dadurch Rechnung getragen, dass jede/r Bürger/in die Chance hat, sich im Rahmen ihrer/ seiner Möglichkeiten in die Gestaltung der Gemeinschaft mit einzubringen. Die Maxime ‚Jeder darf und soll sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einbringen und jeder ist wichtig für die Entwicklung der Gemeinschaft’ unterstreicht die Wertschätzung der Vielfalt und die Anerkennung der Fähigkeiten bzw. den Beitrag des Einzelnen.

Die hier zum Trage kommende Netzwerkarbeit und Sensibilisierung der Anbieter und Akteure im Quartier / Sozialraum führt zur Öffnung neuer sozialer Räume für verschiedene Menschen bei. Segregierende Strukturen können hierdurch überwunden werden. Anwohner/innen des Quartiers können sich selbstbestimmt im öffentlichen Raum bewegen, was durch eine barrierefreie – für alle zugänglich gestalteten Sozialraum unterstützt wird. Zudem ist es ein großflächiges Quartier, da es zwei Stadtgebiete und Sozialräume umfasst.

Durch die starke Beteiligung / Einbeziehung der Anwohner/innen leistet das Projekt einen Beitrag zur inklusiven Gestaltung sozialer Räume. Anwohner/innen gestalten ihren sozialen Raum mit, wodurch gleichzeitig eine höhere Identifikation mit dem Wohnumfeld gegeben ist. Gerade dies dürfte einen großen Anreiz für solch eine Projektidee / Vorhaben darzustellen. Die Maßnahmen zur Beteiligung sind barrierefrei gestaltet, so dass niemand ausgeschlossen wird. Z.T. in Form von Informationen in leichter Sprache oder die Bereitstellung von Honorarkräften. Auch für Personen mit schwerer Behinderung wird nach Möglichkeiten geschaut. Durch den barrierefrei gestalteten Sozialraum, wird es allen ermöglicht, sich weitestgehend selbstständig im öffentlichen Raum zu bewegen. Dies folgt dem Leitbild der Selbstbestimmung. Gleichzeitig können Empowerment-Prozesse ermöglicht werden.

Projektaktivitäten finden in den Begegnungsstätten im Wohnquartier statt, in Räumlichkeiten der Gemeinden oder bei öffentlichen Aktionen im Stadtteil beispielsweise auf dem Marktplatz

Aktivitäten draußen finden in der örtlichen Umgebung (Revierpark Mattlerbusch) oder im Sinnesgarten statt.

Nachhaltigkeit

Die barrierefreie Gestaltung der Sozialräume (insgesamt der Abbau von Barrieren und die Sensibilisierungsmaßnahmen) sind von vornherein auf Nachhaltigkeit angelegt. Als Ressourcen können hierbei insbesondere die Netzwerkarbeit sowohl bezogen auf die Akteure/Anbieter im Sozialraum als auch auf das funktionierende nachbarschaftliche Netzwerk und bürgerschaftliches Engagement angesehen werden. Ein gut funktionierendes nachbarschaftliches Netzwerk und bürgerschaftliches Engagement sowie insgesamt die Einbeziehung der Bürger/innen erzielt eine höhere Identifikation der Bürger/innen mit dem Quartier selbst, eine höhere Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement (Bürger/innen werden ernst genommen) und Zufriedenheit. Durch die Kooperationsstrukturen mit den örtlichen Anbietern und Akteuren kann v.a. flächendeckend geplant werden. Gleichzeitig stellt es eine Win Win Situation für alle dar. Durch die barrierefreie Gestaltung des gesamten Quartiers gewinnen Anbieter sozialer Dienstleistungen o.ä. im Umkehrschluss neue Kunden. Zur Übertragbarkeit bzw. Wiederholbarkeit eines solchen Quartiers in anderen Regionen bieten sich insbesondere die Ansätze der Sozialraumorientierung (Sozialraummanagement und Sozialraumanalyse) an. Von diesen Ergebnissen können alle im Sozialraum profitieren.

Gesamteinschätzung

Bezogen auf einen barrierefreien Wohnraum gewinnen neue Konzepte zunehmend an Bedeutung. Hierzu zählen generationsgerechte Wohnkonzepte (Mehrgenerationshäuser), barrierefreie Miet- und Eigentumswohnungen mit Anbindung an niedrigschwelligen sozialen Dienstleistungen etc. Das sozialraumorientierte und barrierefreie Wohnquartier „Wir am Mattlerbusch“ - Quartiersmanagement in Duisburg zeigt hier einen ganzheitlichen Ansatz. Neben individuellen Wohnangeboten zeichnet sich das Projekt insbesondere durch eine partizipative Projektausrichtung und Planung aus. Allen Bürger/innen ob mit oder ohne Behinderung, ob jung oder alt, wird die Möglichkeit eingeräumt sich aktiv an der Gestaltung ihres Wohnortes/ Sozialraums zu beteiligen und ihre Wünsche und Anregungen einzubringen. Durch die Einbindung aller – im Sozialraum tätigen Akteure und Anwohner/innen und den Netzwerkaufbau leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung eines inklusiven Gemeinwesens. Insgesamt trägt das Wohnquartier zur unabhängigen Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft jedes Einzelnen im Sinne von Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention bei.

Unabdingbar ist hierbei der Aufbau eines Netzwerks und die Netzwerkarbeit, die wiederum zunächst koordinierende Aufgaben erfordert. Im Idealfall trägt sich das Netzwerk zu einem späteren Zeitpunkt selbst. Zudem sind die Anregungen und Wünsche der Bürger/innen, die hier die inhaltliche Richtung der weiteren Planungen im Sozialraum vorgeben, entsprechend eingeholt und aufbereitetet werden. Hierzu zählen auch die Ergebnisse der Sozialraumanalyse und der Erhebungen, die effektiv zur Weiterentwicklung des Sozialraums und seinen Angeboten genutzt werden können.

Einschätzung der Projektverantwortlichen

Als besonders hilfreich wird von den Projektverantwortlichen das Sozialraummanagement angesehen. Dieses strebe durch die Einführung von Strukturen das Wachstum eines Netzwerkes an, welches sich im Idealfall nach einigen Jahren engmaschiger professioneller Begleitung weitestgehend selbstständig tragen kann. Um dies zu fördern sollte während der Projektlaufzeit ein funktionierendes nachbarschaftliches Netzwerk und bürgerschaftliches Engagement aufgebaut werden. Neben dem erstrebenswerten Ziel eines inklusiven Miteinanders lassen sich nach Einschätzung der Projektverantwortlichen so perspektivisch auch Sozialkosten einsparen, da durch die Gemeinschaft weniger oder erst zu einem späteren Zeitpunkt staatliche Transferleistungen genutzt werden müssen.

Die Projektverantwortlichen betonen, dass es wichtig ist, von Anfang an alle Bürger/innen in die Planung und Durchführung von Aktionen mit einzubinden und einen Rahmen zu gestalten, der Raum für Selbstständigkeit zulässt. Aufgabe der Koordinationskraft sei es sich Stück für Stück zurück zu nehmen, wenn der Rahmen für eine selbsttragende Sozialraumarbeit erst einmal gesetzt ist.

Ebenso sei es zum Erreichen einer Nachhaltigkeit wichtig potenzielle neue Anwohner/innen des Wohnprojekts und Bürger/innen des Sozialraums, welche im Laufe der Jahre dazu stoßen werden, in die Gemeinschaft mit einzubinden. Der Koordinierungskraft des Sozialraummanagements obliegt die Aufgabe verschiedene Maßnahmen zu initiieren, damit dies gelingen kann. Vorstellbar wäre hier eine „Nachbarschaftspatenschaft“, in der ein/e Anwohner/in des Sozialraums sich für die Eingewöhnung eines neuen Bürgers verantwortlich zeigt.

Dennoch verweisen die Projektverantwortlichen darauf, dass es gänzlich ohne professionelle Unterstützung die Aufrechterhaltung all dieser Strukturen schwer vorstellbar sei. Vielmehr ginge es darum, die Notwendigkeit dieser auf ein Minimalmaß zu reduzieren, um die Nachhaltigkeit des Quartierslebens und der Sozialraumgestaltung zu gewährleisten.

Das Projekt zeige, dass ein aktives Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung möglich ist, wenn alle Beteiligten sich darauf einlassen. Austausch und Begegnung seien dabei die wichtigsten Faktoren für ein offenes Miteinander und gelebte Inklusion. Die Einbeziehung aller Menschen unter Beachtung ihrer individuellen Ressourcen stehe dabei im Vordergrund - so Corinna Depenbrock.

allgemeine Informationen und Materialien

Projekthomepage: http://www.alsbachtal.org/wohnen/quartier-am-mattlerbusch/

 

Ansprechpartner/in

Corinna Depenbrock

Könzgenplatz 1

47169 Duisburg

Tel.: 0203-57031126

Email: c.depenbrock@alsbachtal.org

 

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.