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Wohnen-Inklusiv in Aachen

Gemeinsam leben, inklusiv wohnen von jungen Erwachsenen

Wohnen in Aachen - Das Haus von vorne
© www.tabalingo.de

Noch immer fehlen geeignete Anschlussmöglichkeiten für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder sonstigen Behinderungen ins Gemeinwesen. Insbesondere der Bereich Wohnen weist einen Mangel an geeigneten, bedarfsgerechten Wohnangeboten für junge Menschen auf. Oftmals bestehen Berührungsängste oder Vorbehalte gegenüber diesen Personengruppen. Menschen mit Behinderungen stehen in diesem Zusammenhang nicht nur vor dem Problem eine geeignete Wohnung in Mitten der Gesellschaft zu finden und beziehen zu dürfen, sondern insbesondere auch davor den damit verbundenen Mietvertrag zu verstehen. Ein selbstständiges Leben – ein eigenständiges Zurechtkommen wird meist vorausgesetzt. Dies ist problematisch; denn vor dem Hintergrund der meist überbehüteten Lebensverhältnisse oder fremdbestimmenden Sozialisationsbedingungen und -erfahrungen (Schutz- und Schonräume) von Menschen mit Behinderungen muss dies erst erlernt werden und bedarf möglicherweise einer Vorbereitung und Unterstützung.

In Aachen gibt es das Projekt „Wohnen-inklusiv“, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am Lebensbereich Wohnen teilhaben können. Hierzu wurde ein ehemaliges Wohnhaus einer Familie in Aachen-Eilendorf zu einer inklusiven Wohngemeinschaft (im folgenden WG genannt) ausgebaut. Es konnten sieben Zimmer zur Vermietung hergerichtet werden (zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume). Das Projekt wurde von dem Verein TABALiNGO Sport & Kultur integrativ e.V. initiiert (ebenfalls im Kataster zu finden).

In der inklusiv ausgerichteten WG, die seit Februar 2015 besteht, sollen zu ähnlichen Anteilen Menschen mit und ohne Behinderungen leben. Die Zimmer sind vermietet an junge Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsformen (u.a. autistische Störung, geistige Beeinträchtigung, Lernbehinderung) beziehungsweise an junge Bewohner/innen ohne Behinderungen (Student, Schüler, Auszubildende).

Ziel der WG ist es, dass die Bewohner/innen möglichst selbstbestimmt und respektvoll miteinander umgehen und auch die anstehenden Aufgaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten gemeinsam planen und umsetzen sollen. Es geht um ein offenes Miteinander, die Entwicklung gegenseitigen Respekts und um den Weg zu mehr Selbständigkeit. Für Menschen mit Behinderung kann bedarfsgerecht unabhängige Assistenz eigenständig vereinbart bzw. über einen unabhängigen Pflegedienst angefordert werden. Es besteht die Möglichkeit Synergien über bereits tätige Pflegedienste zu nutzen. Die Abdeckung einer 24h-Assistenz ist allerdings nicht vorgesehen. Z. T. übernehmen aber auch Bewohner/innen ohne Behinderungen Assistenzaufgaben. Im Vordergrund steht die gegenseitige Unterstützung der Gemeinschaft – der Bewohner/innen mit und ohne Behinderung. 

Es gibt darüber hinaus zum Beispiel den Mietvertrag und die Hausordnung für die WG in Leichter Sprache. Die WG liegt verkehrsgünstig im Aachener Stadtteil Eilendorf. Eine Bushaltestelle ist direkt neben der Tür. Eine weitere befindet sich in 300 m Entfernung. Einrichtungen des täglichen Bedarfs sind fußläufig in 300 m Umgebung (Bäcker, Geschäfte, Imbiss, Arzt...; weitere in 500 m: Bank, Apotheke, Optiker, Restaurant...). Des Weiteren gibt es nahe auch Erholungsflächen (Kalkberg, Stadtwald, Vennbahnweg...) und auch die Autobahnanbindung ist nicht weit entfernt.

Das Haus der WG ist allerdings nicht barrierefrei und somit für Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen nicht geeignet. Dennoch wird hier – ein nicht barrierefreies Haus so genutzt bzw. inklusiv und offener gestaltet – sodass ein Zusammenleben und Zusammen(auf)wachsen von Menschen mit und ohne Behinderungen ermöglicht werden kann.

Das Projekt leistet insgesamt einen Beitrag zum selbstbestimmten Leben mitten in der Gesellschaft im Sinne von Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention („Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft“). Mit der WG soll die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung in einer gewachsenen Nachbarschaft gefördert werden und ganz normal stattfinden. Der selbstverständliche, respektvolle Umgang miteinander, ein offenes Miteinander und die Anerkennung jedes Einzelnen als Bereicherung, mit all dem die WG zugleich für neue Bewohner/innen wirbt, trägt zugleich zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit

(Nachbarschaft) im Sinne des Artikels 8 der UN-BRK („Bewusstseinsbildung“) bei. Auch die Anpassung des Mietvertrags in Leichter Sprache sensibilisiert für die Belange von Menschen mit Lernschwierigkeiten und den damit verbundenen selbstverständlichen Umgang. Zu vermerken ist an dieser Stelle zugleich, das die Anpassung vorhandener Mietverträge in Leichter Sprache auch Menschen ohne Behinderungen zu Gute kommen kann, insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund etc.. Sprachliche Defizite und allgemeine Kommunikationsbarrieren können kompensiert werden.

Lebensbereich

  • Wohnen

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.