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Stadtteilprojekt WIR ALLE – Gemeinsam leben in der Städteregion Aachen

Sozialraum-/Quartiersmanagement – Gestaltung inklusiver Sozialräume und Stadtviertel

Achtung: Hier handelt es sich um eine Kurzanalyse.

Dies bedeutet, dass eine ausführliche Analyse eines Sozialraum-/Quartiersmanagement anhand eines Bespiels schon vorhanden ist. Wenn Sie sich für diese interessieren, schauen Sie bitte hier:

Kurzbeschreibung

Bild: Stadtteilprojekt "Wir Alle"

„WIR ALLE“ ist ein trägerübergreifendes Inklusionsprojekt von sechs Trägern der Behindertenhilfe in der Stadt und Städteregion Aachen - der Josefs-Gesellschaft gGmbH Vinzenz-Heim Aachen, Lebenshilfe Aachen e.V., Caritas-Lebenswelten GmbH, Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte Aachen e.V., Alexianer Aachen GmbH und ABK-Hilfswerk e.V. Das auf drei Jahre finanzierte Projekt wurde im September 2012 ins Leben gerufen und wird gefördert durch die Aktion Mensch. Im Rahmen des Projekts setzen sich unterschiedliche Akteure, Institutionen, Vereine, Träger als auch Einzelpersonen für Inklusion und gelebte Nachbarschaft in den Aachener Sozialräumen ein. Durch verschiedene Veranstaltungen, Stadtfeste, Kurse, barrierefreie Führungen und Treffen soll es um die Entwicklung inklusiver Stadtviertel gehen. Ziel ist es, alle Menschen, egal ob groß ob klein, jung oder alt, mit oder ohne Behinderung oder mit oder ohne Migrationshintergrund, zusammenzubringen. „WIR ALLE“ möchte alle in Kontakt bringen und damit sowohl ein stärkeres Viertelbewusstsein und Nachbarschaftsgefühl schaffen als auch die Vielfalt der StädteRegion Aachen verdeutlichen.

 

Ziele und Maßnahmen im Überblick:

Insgesamt geht es um den

  • Ausbau und Stärkung der Inklusion in der Region – Entwicklung inklusiver Stadtviertel / inklusive Stadtteilentwicklung
  • Überwindung räumlicher Entfernungen
  • Stärkung der Nachbarschaft & gesellschaftliche Zusammenleben aller (Beteiligung und Aktivierung der Bürger/innen und Akteure aus Sozialwesen, Wirtschaft, Kultur und öffentlichen Institutionen – zur Planung nachbarschaftlicher Netzwerke, Begegnungsräume & gemeinsamer Aktivitäten)
  • Vernetzungsarbeit/ Netzwerkarbeit, Kooperationsaufbau und Kommunikation
  • Bündelung & Öffnung bestehender Angebote – Kooperation & Sensibilisierung von örtlichen Anbietern
  • Sozialraumübergreifende Aktionen und Aktivitäten (Sammlung & Bündelung, Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit, Angebot niederschwelliger Begegnungs-/Aus-tauschmöglichkeit)

 

Koordination in den Sozialräumen

Das trägerübergreifende Projekt ist in den vier Sozialräumen Aachen Westpark (VKM), Aachen Nord (Alexianer), Aachen Burtscheid (Vinzenz-Heim) und Monschau & Simmerath (Caritas Lebenswelten & ABK-Hilfswerk) aktiv. Für jeden Sozialraum wurde ein individuelles Konzept erarbeitet. Dies liegt insbesondere daran, dass sich die Sozialräume hinsichtlich Größe, Einwohnerzahl, Bevölkerungs- und Infrastruktur enorm differenzieren. Sie haben unterschiedliche Ausgangslagen; ganz unterschiedliche Bedarfe und Voraussetzungen. Zugleich unterscheiden sich demnach auch die Arbeitsweisen und Konzeptionen.

Zur Planung und Weiterentwicklung wurden die Sozialräume ausgehend von ihrer Beschaffenheit, Bevölkerungsstruktur, Infrastruktur, verkehrstechnischen Anbindung und Vernetzungsmöglichkeiten näher betrachtet mit der Fragestellung was mögliche Herausforderungen und Entwicklungspotenziale / Ressourcen darstellen?

Exemplarisch weitere Fragen, die im Fokus standen:

  • Welche Anforderungen und Wünsche haben Menschen mit Behinderungen an ihren Stadtteil?
  • Welche Strukturen in den Bereichen Freizeit und Bildung gibt es schon / welchen Bedarf und wie können diese / dieser inklusiv gestaltet werden?
  • Wie können Menschen mit Behinderungen im Stadtteil mit ihren Nachbarn in einer guten Gemeinschaft leben?

 

Im Gesamten dienten zur Projektentwicklung folgende Leitfragen (Zukunftsperspektiven) hinsichtlich der einzelnen Sozialräume

  • Was braucht das Viertel zur Stärkung des Potentials als inklusiver Stadtteil?
  • Wie kann das Projekt „WIR ALLE“ den Gedanken der „Inklusiven Stadt“ weitertragen?
  • Wie kann das Projekt nachhaltig weiterentwickelt werden?

 

Projektkoordination & Sozialraummanager/innen

Die Projektkoordinatorin (Lebenshilfe Aachen e.V.) ist in alle Sozialräume durch die Sozialraummanager/innen gleichermaßen eingebunden. Sie bilden zusammen die Steuerungsgruppe. Diese trifft sich jeden Monat um Erfahrungen aus der Arbeit in den Sozialräumen auszutauschen, gemeinsame Aktivitäten zu planen und zukünftige Maßnahmen abzustimmen. Zusätzlich zu den Treffen der Steuerungsgruppe treffen sich die Trägervertreter alleine bzw. gemeinsam mit der Steuerungsgruppe zur Klärung übergreifender Fragestellungen im Projektverlauf (Zwischenbilanz 2014). Weitere wesentliche Aufgaben bestehen u.a. in der Netzwerkarbeit / Vernetzung, Kooperationsaufbau, Beratung, Planung / Durchführung übergreifender Treffen und Teamtage, Berichtserstattung, Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit.

 

Kooperations-/Netzwerkpartner

Beteiligt sind alle lokal tätigen Akteuren in den Sozialräumen, sowohl klassische Einrichtungen der Behindertenhilfe als auch Anbieter ambulanter Dienstleistungen oder sonstige Akteure und Institutionen im Gemeinwesen (Vereinsvertretern, Einzelpersonen, Verwaltungsmitarbeitern, Schulen, Kirchen, Altenheime usw.). Dies ermöglicht die Gewinnung unterschiedlichster Personengruppen und gleichzeitig Ressourcen (Ideen & Blickwinkel) für die verschiedenen Aktivitäten.

Beteiligte: Caritas-Behindertenwerk GmbH, Paritätische ABK-Hilfswerk e.V., Helena Stollenwerk Haus in Simmerath Wohnheim, Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe), Lebenshilfe Aachen, Stadtteilbüro Aachen-Nord, familienunterstützende Dienst des DRK, AWO-Begegnungsstätte, der Arbeitskreis Liebigstraße, Stadtteilkonferenz usw.

Einschätzung der Projektverantwortlichen

Durch das Projekt möchten die Projektverantwortlichen Orte der Begegnung für Alle schaffen, die dazu beitragen, Barrieren (auch in den Köpfen) abzubauen. Sie möchten Menschen mit und ohne Behinderung füreinander sensibilisieren. Durch gemeinsame Aktionen aller Sozialräume werde in der StädteRegion Aachen eine erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich des Themas „Inklusion“ erzeugt, was sich positiv auf das Voranschreiten der Inklusion in der gesamten Region auswirken kann.

Der Begriff „Inklusion“ ist in Teilen der Bevölkerung meist noch sehr negativ konnotiert oder unbekannt. Barrieren bauen sich in den Köpfen und Berührungsängste nur sehr langsam ab. Oder der Inklusionsgedanke und die daraus resultierenden Konsequenzen (Orientierung am Willen des Einzelnen) sind z.T. noch nicht hinreichend in die Arbeit integriert oder aber auch Personen (v.a. ältere), die stationär leben müssen erst einmal zur Inklusion befähigt werden. Auch durch die finanzielle Situation von Menschen mit Behinderungen sind sie selten in der Lage, selbstständig an Veranstaltungen teilzunehmen (Finanzierung der Hin- und Rückfahrt, Eintrittsgelder, Begleitung etc.). Aus diesen Gründen war es den Projektverantwortlichen wichtig, möglichst kostenfreie oder kostengünstige Veranstaltungen anzubieten oder zu bewerben. Zum Teil war es schwierig, Menschen mit Behinderung in Aktivitäten einzubinden, zu mobilisieren und für Ungewohntes zu begeistern. WIR ALLE setzt daran an, den Begriff „Inklusion“ an der einen oder anderen Stelle neu zu besetzen und möchten zeigen, dass Inklusion auch Spaß macht/ machen kann. Die Projektverantwortlichen betonen allerdings hierbei, dass es vor dem Hintergrund des Inklusionsbegriffs und dessen Verwendung viel wichtiger sei, das gemeinsame Tun / Erleben dabei in den Vordergrund zu stellen.

Grundsätzlich bestand nach Einschätzung der Projektverantwortlichen insgesamt eine große Offenheit der Bürger/innen dem Thema Inklusion und dem Projekt gegenüber. Die Vernetzung und Zusammenarbeit mit den Projektpartnern (z.B. Vereine, Museum, Stadt Aachen, Bildungseinrichtungen, etc.) war ihrer Meinung nach von enormer Bedeutung und sei meist gut gelungen. Die gute finanzielle und personelle Ausstattung des Projekts haben es ermöglicht, größere Aktionen (Fachtage; Fortbildungen als Bereicherung & ‚Ideenpool‘) überhaupt erst durchzuführen. Als sehr positiv wurden der große Gestaltungsspielraum und das prozessorientierte Arbeiten über den gesamten Projektzeitraum empfunden. Die Steuerungsgruppe konnte relativ flexibel auf Gegebenheiten und Wünsche aus den Sozialräumen reagieren, da sie  große Freiräume für kreative Ideen und neue Wege.

 

Eine der wichtigsten Veränderungen im Projektverlauf war nach Einschätzung der Projektverantwortlichen die Sensibilisierung der Mitarbeiter/innen der verschiedenen am Projekt beteiligten Träger und lokalen Akteure (z.B. Veranstalter). Die Themen Inklusion und Sozialraumorientierung wurden verstärkt intern diskutiert; z.T. bildeten sich Arbeitsgruppen und trägerübergreifend organisierte Fachtage konnten weiter zur Vernetzung und Weiterbildung der Akteure in den Sozialräumen beitragen. Inklusion könne nur dann gelingen, wenn Multiplikatoren den Gedanken in die Einrichtungen und die Gesellschaft weitertragen. Den Mitarbeiter/innen in den Einrichtungen der Behindertenhilfe komme hier eine Schlüsselposition zu. Sie seien diejenigen, die den engen Kontakt zu Bewohner/innen haben und deren Willen und Wünsche kennen und kommunizieren können. Nur im Austausch mit geschulten, inklusiv denkenden und handelnden Mitarbeiter/innen können die Sozialraummanagerinnen passende Angebote und Strukturen finden oder schaffen. Und nur so können Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen Schritt für Schritt verbessern.

Die gewonnenen Erkenntnisse werden sowohl unter organisatorischen, strukturellen als auch fachlichen Aspekten in die zukünftige konzeptionelle Ausrichtung der beteiligten Träger einfließen.

 

Die Resonanz auf einzelne Aktionen in den Sozialräumen sei sehr unterschiedlich. Einige Angebote werden von Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen angenommen, andere Angebote werden nahezu ausschließlich von Menschen mit Behinderung genutzt. Der Annäherungsprozess vollziehe sich in manchen Sozialräumen nur langsam. Gleiches gilt für die Foren und Netzwerktreffen, die z.T. als hilfreich aber auch als weniger hilfreich wahrgenommen werden und unterschiedlich stattfinden. Meist treffen sich Netzwerkpartner/innen quartalsweise, in variierender Zusammensetzung. Die Kommunikation im Netzwerk findet meistens aufgrund der Größe des Sozialraumes per E-Mail oder Telefon statt.

Für die Zukunft sei der Erhalt der entstandenen Kooperationen und Vernetzungen sowie eine enge Zusammenarbeit auf allen Ebenen unabdingbar um Inklusion voranzutreiben (z.B. trägerübergreifender Austausch, Stadt & Kommunen, Zivilgesellschaft).

 

Aus der Erfahrung der letzten drei Jahre vermerken die Projektverantwortlichen, dass kleine (überschaubare) Sozialräume bei der Ge­staltung von Prozessen von Vorteil sind. Jeder Sozialraum ist anders: auch in Zukunft sei es wichtig, flexibel mit den vorhandenen Ressourcen (Menschen, vorhandene Angebote, etc.) den Sozialraum zu gestalten. Die Zusam­menarbeit sei natürlich abhängig von Personen, die interessiert und engagiert sind. Diese gilt es zu finden und für das Thema zu begeistern. Im Sozialraum muss ein „Kümmerer“ verortet sein, der die Fäden in der Hand hält und Prozesse begleitet wo es notwendig ist.

Aus diesem Grund habe sich die Projektkoordination als unverzichtbarer Bestandteil des Projektes herausgestellt. Die Projektverantwortlichen heben hervor, dass sie für das Gesamtprojekt und die Sozialraummanager/innen die Scharnierfunktion zu den Trägervertreter/innen und externen Kontakten einnimmt und die Fäden zusammenhält. Mit der Koordination sei es möglich sozialraumübergreifende Angebote in der StädteRegion Aachen umzusetzen. Planung, Koordination, Öffentlichkeitsarbeit für übergreifende Aktionen etc. könne von keine/r/m der Sozialraummanager/inne/n im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit geleistet werden. Maßnahmen, die alle Sozialraummanager/innen für „ihren“ Sozialraum sinnvoll finden, können so gebündelt umgesetzt werden. Impulse aus den einzelnen Sozialräumen konnten so über das Gesamtprojekt geplant und umgesetzt werden und stehen so allen Sozialräumen zur Verfügung. Dies spare laut Projektverantwortlichen Ressourcen in den einzelnen Sozialräumen (finanzielle & zeitliche Ressourcen) und ermögliche die Schaffung von Angeboten, die über die Sozialräume hinaus für alle zugänglich sind. Die Steuerungsgruppe hat im Verlauf ihrer Projektarbeit festgestellt, wie sehr sie von den gemeinsamen Treffen profitiere. Dies beginne bei der Definition und Festlegung gemeinsamer Ziele und Aktionen, der Diskussion über die beste Vorgehensweise bis hin zur Bündelung der Kräfte bei der Organisation von Veranstaltungen (z.B. trägerübergreifender Fachtag zum Thema Sozialraumorientierung für Mitarbeiter/innen aller Träger). Der regelmäßige Austausch setze Synergien frei – so war es oft der Fall, dass die Sozialraummanager/innen einzelne Anregungen aus einem anderen Sozialraum für ihren Sozialraum anpassen und übernehmen konnten. Die Steuerungsgruppe lerne fortlaufend von- und miteinander.

Die Klärung der Formalitäten und die Überwindung bürokratischer Hindernisse habe in der Vorbereitungszeit und in der ersten Phase des Projektes zwar viel Zeit und Kraft von Seiten der Träger erfordert. Gleichzeitig konnten so aber auch neue Strukturen der Zusammenarbeit aufgebaut werden, die auch über die Dauer des Projektes hinaus Fortbestand haben und für das Voranbringen gesellschaftspolitischer Veränderungen genutzt werden können.

 

Die Ergebnisse bezüglich Schwierigkeiten, Bedingungsfaktoren, Zukunftsperspektiven und weiterer Handlungsschritte bzw. Perspektiven sind im Einzelnen im Zwischen- und Abschlussbericht nachzulesen (s. allgemeine Informationen und Materialien).

Allgemeine Informationen und Materialien

  • Zwischenbericht Westpark 2012-2015 online verfügbar unter: http://www.wir-alle-ac.de

    • In diesem finden Sie detaillierte Beschreibungen der Rahmenbedingungen und Konzeptionen, eine erste Projektbewertung und einzelne daraus entstandenen Praxisbeispiele gelebter Inklusion und konkrete Umsetzungsmaßnahmen.