Haupt-Navigation

Sie befinden sich hier

Inhalt

JIPA – Jugendliche inklusiv politisch aktiv

Inklusive Politik von und für Kinder und Jugendliche

JIPA AG mit Masken von berühmten Politikern
© https://jipa.seht-muenster.de/

Jugendliche mit und ohne Behinderungen machen gemeinsam Politik!

Partizipation meint nicht nur an der Gesellschaft teilzunehmen – dabei zu sein – sondern auch die Möglichkeit zu haben, sie aktiv mitzugestalten. Es ist wichtig, Entscheidungen, die das eigene Leben, das Leben und die Zukunft der Gemeinschaft betreffen, anzugehen, gemeinsam Lösungen für Schwierigkeiten zu finden und Veränderungen in der Gesellschaft voranzutreiben. Häufig fehlt es an struktureller Verankerung geeigneter Beteiligungsmöglichkeiten und -formen. Nicht alle werden als Rechtssubjekte wahrgenommen. Auch der Zugang zur Politik oder öffentlichen Diskussionen bleibt oftmals erschwert oder gar verwehrt. Politik ist meist abstrakt. Doch gerade sie ist es, die für die gesellschaftliche Zukunft, das Zusammenleben aller zentral ist.

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen fehlen Möglichkeiten der Partizipation. Es gilt niedrigschwellige Zugänge zu politischer Partizipation und inklusive Möglichkeiten der Beteiligung zu schaffen. Gleichzeitig können damit die individuellen Selbstbestimmungsmöglichkeiten der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden.

 

In Münster gibt es seit 2012 die Arbeitsgruppe (AG) „Jugendliche inklusiv politisch aktiv“ (JIPA). JIPA steht für die aktive, direkte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen an politischen Prozessen und die Entwicklung inklusiver Rahmenbedingungen für politische Teilhabe.

JIPA ist ein Gemeinschaftsprojekt des Jugendrates Münster und des Vereins „Selbständigkeitshilfe bei Teilleistungsschwächen Münster e.V.“ (SeHT Münster; siehe: www.seht-muenster.de). Das außerschulische politische Bildungsprojekt richtet sich an Jugendliche mit und ohne Behinderung zwischen 12 und 18 Jahren. Ziel von JIPA ist es, ein Forum zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe zu bieten, in dem Kinder und Jugendliche ihre Interessen, Wünsche und Themen äußern können und in dem alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von vorhandenen Beeinträchtigungen mitarbeiten können.

Die AG trifft sich monatlich (jeden 1. Mittwoch im Stadthaus 2). In den Schulferien sind keine Sitzungen. Es gibt über den Monat weitere Treffen der JIPA AG, die dann gemeinsam in den Sitzungen festgelegt werden. Die AG setzt sich selbst Themen, die sie bearbeiten möchten. U.a. hat sie den Workshop „Barrierecheck“ (Schwerpunkt Schule) entwickelt. Hierbei wird zunächst ein durch die Gruppe selbst entwickelter Film zu den Regeln der Barrierefreiheit in Gebäuden gezeigt und die Teilnehmer/innen können anschließend Selbsterfahrungen machen (Rollstuhl, Simulationsbrillen, Blindenstöcke usw.). Daraufhin wird das jeweilige Gebäude im Hinblick auf Barrierefreiheit erkundet. Es folgt eine gemeinsame Diskussion und die Ergebnisse werden mit Politikern/Schulleitungen besprochen. Der Workshop wurde bereits an mehreren Schulen und mit Politikern durchgeführt. Zudem wurde ein Film Clip zu Politik in Leichter Sprache gedreht und u.a. ein Projekttag zum Motto „Politik einfach erklärt“ an (Förder-)Schulen durchgeführt. Darüber hinaus gibt es das Kinderprojekt (KIPA), das zum Ziel hat ein Grundverständnis für Verschiedenheiten zu schaffen. Dies beinhaltet, dass sich Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren aktiv mit dem Thema Behinderung auseinander setzten. Am ersten Projekttag lernen die Kinder verschiedene Formen von Behinderung kennen und probieren aus welche Hilfsmittel es gibt, um die Einschränkung auszugleichen. Damit wird erreicht, dass die Kinder für sich lernen, welche Hilfestellungen sie geben können bzw. an welchen Stellen sie Rücksichtnehmen sollten, um den Umgang mit den Hilfsmitteln zu erleichtern und gemeinsam spielen zu können.

Gleichzeitig probieren die Kinder aus, welche Spielgeräte es auf deren Spielplatz/Schulgelände, die für jedes Kind gleichermaßen zugängig sind. Auch hier wird wieder der Frage nachgegangen, ob das Gebäude so barrierefrei gestaltet ist, dass z.B. auch ein Toilettengang mit Rollstuhl möglich ist. Dies wird jeweils an die Einrichtung zurück gemeldet um Grundlagen für gegebenenfalls Veränderungen zu schaffen. Darüber tauschen sie sich ebenfalls mit Politiker/innen aus. An dem zweiten Projekttag beschäftigen sich die Kinder mit den Sinnesbehinderungen. Hören, riechen, schmecken, tasten und sehen. Durch verschiedene Aufgaben, bei denen diese Einschränkungen simuliert werden, wird ein Bewusstsein bei den Kindern geschaffen, was es heißt, wenn ein Sinn nicht funktioniert. Zugleich wird ein Verständnis für die verschiedene Einschränkungen und Bedarfe entwickelt.

Gemeinsam überlegen sie anschließend, wie Verbesserungen aussehen können und besprechen diese ebenfalls mit Politiker/innen.

Das Projekt KIPA wird nach Absprache in verschiedenen Einrichtungen des Offenen Ganztags und in Kindertreffs durchgeführt.

 

Das Gesamtprojekt zeichnet sich insbesondere durch die starke Anbindung (Austausch) mit der Politik (politische Partizipation) und die interaktive, kooperative Ausrichtung aus, die gleichzeitig v.a. kind- und jugendgerecht ist. Es leistet u.a. durch den ‚Barrierecheck‘ zunächst einen wesentlichen Beitrag zur Barrierefreiheit im Sinne von Artikel 9 der UN-BRK (Zugänglichkeit). Ebenso werden alle Sitzungen und Workshops barrierefrei ausgerichtet. Zugleich wird ein Bewusstsein für mögliche Teilhabebarrieren, Inklusion und Behinderung gemäß Artikel 8 der UN-BRK (Bewusstseinsbildung) geschaffen. Das Projekt fördert die politische Bildung und bietet einen Lern- und Erfahrungsraum für Kinder und Jugendliche (Artikel 24 UN-BRK Bildung), in dem diese ihre Interessen vorbereiten – und darüber hinaus – vertreten können. Hiermit wird insgesamt die Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben im Sinne von Artikel 29 der UN-BRK unterstützt. Es richtet sich dabei explizit an Kinder und Jugendliche (Artikel 7 der UN-BRK, Kinder mit Behinderungen).

Lebensbereich

  • Politik
  • Bildung
  • Öffentlicher Raum
  • Bürgerschaftliches Engagement
  • Kommunikation und Interaktion

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.