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Vier Neue Testamente

Kurzdarstellung der Aktivität

Schattenwand. Auf dem Bild: Nico Randel, Jan Dziobek, Jule Schacht, Matthias Krause.
© www.opernwerkstatt-am-rhein.de

Viele Menschen mit Behinderung möchten sich gerne an kulturellen Aktivitäten wie Theaterproduktionen beteiligen, es gibt jedoch kaum Angebote in diesem Bereich. Professionelle Theaterinszenierungen mit Schauspieler/inne/n ohne Behinderungen machen zu dürfen, bleibt für viele Menschen mit Behinderungen ein unerreichbarer Traum. Allerdings gibt es Projekte, die genau an dieser Stelle eingreifen, um allen eine gleichberechtigte und partizipative Möglichkeit der Beteiligung an Theaterprojekten zu bieten. Das Projekt „Vier Neue Testamente“ der Opernwerkstatt am Rhein e.V. geht erste Schritte in diese Richtung. Es bietet Menschen mit Behinderungen nicht nur die Möglichkeit selbstbestimmt, partizipativ und gleichberechtigt an einem Theaterprojekt teilzuhaben, sondern auch, sich auf einmalige Weise ausdrücken und selbstwirksam sein zu können.

Die Opernwerkstatt am Rhein ist ein gemeinnütziger Verein in Hürth bei Köln, der sowohl anstrebt, junge Künstler/innen zu fördern, als auch Menschen mit Behinderungen zu beteiligen. Die Teilnehmer/innen der Opernwerkstatt üben verschiedene Stücke wie z.B. Kinderopern, Musicals, inklusive Theaterproduktionen oder Musiktheater auf neuen Wegen ein und führen diese auf. Der Begriff "Werkstatt" beinhaltet bereits, dass die Teilnehmer/innen an den Stücken kreativ arbeiten und neue Darstellungsformen entwickeln. Sascha von Donat, der künstlerische Leiter der Opernwerkstatt am Rhein, fühle sich dem Thema Inklusion sehr verbunden, da er mit einer älteren Schwester mit Downsyndrom aufgewachsen ist. Gemeinsam mit seinen Kolleg/inn/en entwickelte er die Idee für das inklusive Theaterstück „Vier Neue Testamente“. Bis dahin hatten bei den inklusiven Produktionen des Vereins vorwiegend Menschen mit Behinderungen von Menschen ohne Behinderungen gelernt. Das lag daran, dass obwohl die Opernwerkstatt professionelle Darsteller/innen mit Behinderungen in ihre Produktionen einbezogen hat, bis dahin immer nur Personen ohne Behinderungen Regie geführt haben.

Die Produktion „Vier neue Testamente“ bot vier Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, ihre Ideen mit einem künstlerischen Ensemble umzusetzen und zum ersten Mal als Regisseur/innen in Erscheinung zu treten. Eine blinde Kollegin, ein Darsteller im Rollstuhl, eine Person, die nicht mittels Sprache kommunizieren kann, und ein Darsteller mit Downsyndrom betätigten sich dabei organisatorisch und fungierten als Produzent/inn/en eines Theaterstücks. Ziel war es, ein Theaterstück zu entwickeln, das auf der Bibel basiert und sich aus vier gleichwertigen Teilen, den vier Testamenten, zusammensetzt. Jede/r der vier Regisseur/e/innen gestaltete eins davon, wodurch jedes Testament eine Geschichte erzählte, die dem/der jeweiligen Stückentwickler/in besonders wichtig war. Jedes Testament hatte eine Dauer von 20 - 25 Minuten, sodass der Abend insgesamt anderthalb Stunden plus Pause dauerte. Neben der Premiere in der alten Post in Neuss gab es dort noch eine weitere Vorführung und später noch eine dritte Aufführung in einer Kirche in Köln. Um die Aufführungen realisieren zu können, erhielt jede/r Regisseur/in eine Regieassistenz, die beratend zur Seite stand, aber nicht künstlerisch eingriff. Die Gelder, die der Opernwerkstatt für das Stück zur Verfügung standen, reichten nur für die ersten drei Aufführungen. Das Projekt war allerdings so erfolgreich, dass die Opernwerkstatt am Rhein e.V. die Produktion in ihr Repertoire des Gastspielbetriebs aufgenommen hat.

Das Projekt hatte eine Laufzeit von September 2016 bis April 2017. Neben den Darsteller/inne/n, Ausstatter/inne/n, Musiker/inne/n und Regisseur/inn/en, waren das Theater und Zuschauer/innen beteiligt. Außerdem hat die Gold Kraemer Stiftung den Probensaal zur Verfügung gestellt. Die Aktion Mensch und die Kämpgen Stiftung beteiligten sich an der Finanzierung. Die Öffentlichkeit wurde durch Auftritte, lokale Medien, Presseberichte, Soziale Netzwerke (Facebook, Youtube) und den Internetauftritt einbezogen.

Mit dem Projekt wurde der Artikel 30 der UN-BRK gefördert, da Menschen mit Behinderungen Zugang zu kulturellen Angeboten und Materialien ermöglicht wurde, sowie die Entfaltung des künstlerischen, kreativen und intellektuellen Potentials gegeben war. Des Weiteren trugen die Auftritte zur Bewusstseinsbildung und zur Sensibilisierung (Artikel 8 UN-BRK) der Zuschauer/innen für Menschen mit Behinderung und zur kritischen Auseinandersetzung bei.

Lebensbereich

  • Bildung
  • Freizeit
  • Kultur
  • Kommunikation und Interaktion

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.