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Sommerblut Kulturfestival

Ein Schauspieler der Gruppe RambaZamba auf der Bühne. Er jongliert einen großen Ball auf der Hand. Im Vordergrund ist der Schriftzug des Sommerblut-Festivals auf einem runden Button zu sehen.
Ein Schauspieler der Gruppe RambaZamba

Der Verein Sommerblut- Kulturfestival e.V. veranstaltet jährlich das Sommerblut Kulturfestival in Köln. Während des Festivals führen Künstler/innen und Künstlergruppen sowohl Eigenproduktionen als auch nationale und internationale Fremdproduktionen aus den Bereichen Musik, Tanz und Theater auf. In der Satzung des Vereins heißt es: „Der Verein verfolgt in seinem Engagement einen inklusiven Ansatz, der u.a. sowohl Menschen mit und ohne Behinderungen als auch Menschen mit und ohne soziale Benachteiligungen bzw. Schwierigkeiten umfasst“.

 

Kultur mit inklusiver Ausrichtung seit 2002

2002 initiierte der heutige Festivalleiter Rolf Emmerich das erste Sommerblut Festival. Die Motivation des Festivalleiters bestand damals darin, die Kulturszene Kölns inklusiv und integrativ auszurichten und für Kulturprojekte mit Menschen mit Behinderungen zu öffnen. 2017 besuchten rund 10.000 Besucher/innen das Festival. Dort traten bei mehr als 35 Veranstaltungen an 24 verschiedenen Veranstaltungsorten über 220 Künstler/innen auf. Ein Teil der Veranstaltungen, so die Veranstalter, seien besonders geeignet für Menschen mit Gehbehinderungen, Hörbehinderungen und Sehbehinderungen oder Menschen, die einen Rollstuhl nutzen. Bei manchen Veranstaltungen gibt es z.B. Gebärdensprachendolmetscher/innen.

Die Festivals haben jedes Jahr einen anderen thematischen Schwerpunkt, der jeweils ein aktuelles politisches und/oder kulturelles Thema aufgreift. 2018 stand das Festival unter dem Thema ‚Körper‘. 2018 fand ‚das Sommerblut‘ zum 17. Mal statt. Das Festival selbst erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. zwei Wochen. Die Eigenproduktionen aufzuführen, vor- und nachzubereiten kann in Einzelfällen bis zu einem Jahr dauern. Der Eintritt zu Einzelveranstaltungen lag 2018 jeweils unter 20 Euro. Es gab auch ermäßigte Karten, bei einigen Veranstaltungen war der Eintritt sogar frei.

Den Verein, der das Festival organisiert und trägt, gibt es seit 2006. Das selbstgenannte Ziel sei es, so der Verein, „auf kreative Weise Tabubrüche zu inszenieren, Impulse für gesellschaftliche Diskurse und Weiterentwicklungen zu geben und dem Sommerblut-Publikum andere Perspektiven und neue Horizonte aufzuzeigen“. Rolf Emmerich wolle durch seinen Verein Kultur schaffen, die anders denkt und allen Menschen, unabhängig von ihrer religiösen, sexuellen, sozialen, ethnischen oder körperlichen Identität, die Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglicht. Das Sommerblut Festival verfolge von Anfang an die Vision, benachteiligte Personen in die Kulturarbeit auf Augenhöhe und mit Respekt einzubeziehen. Das sei insbesondere bei den Eigenproduktionen des Vereins möglich, in denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, verschiedenen Alters, verschiedener Religionen sowie Laien und Profis gemeinsam in einem kreativen Prozess etwas Neues erschaffen. Außerdem wolle der Verein generell Kunst- und Kulturprojekte einer breiten Öffentlichkeit präsentieren.

 

Über Netzwerke inspirieren – mit Partnern finanzieren – online informieren

Als an der Organisation und Umsetzung des Festivals beteiligte Akteure sieht der Verein beispielsweise solche aus der kulturellen und sozialen Szene Kölns, darunter Jugend- und Senioreneinrichtungen, AIDS-Hilfen, Bürgerzentren, Kulturorte und Kirchen. Nach Auffassung des Vereins sei durch seine langjährige Kulturarbeit ein Netzwerk entstanden, „welches als nachhaltige Austauschplattform zu einer inklusiven und gesellschaftspolitischen Kulturszene beiträgt“. Die verschiedenen Akteure würden dabei helfen, das Festival inhaltlich und künstlerisch umzusetzen. Außerdem werben sie für das Festival in ihren eigenen Netzwerken und verhelfen dem Projekt dadurch zu noch mehr Bekanntheit und Zulauf. Die Arbeit der Netzwerke ginge über die Ausgestaltung des Festivals hinaus und führe auch dazu, dass die Kölner Kulturlandschaft inspiriert würde. So werde das Bewusstsein für mehr inklusive Kultur geweitet.

Der Sommerblut Kulturfestival e.V. finanziert seine Projekte, indem er einerseits Förderungen verschiedener staatlicher Institutionen und Stiftungen erhält, andererseits aber auch durch Spenden und Eigenanteile. Zu den Unterstützer/inne/n des Sommerblut Kulturfestivals e.V. gehören unter anderem das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Stadt Köln, die Aktion Mensch, die Kämpgen Stiftung und die RheinEnergieStiftung Kultur. Sie finanzierten den Verein in der Regel in Form von Projektförderungen, die sie für einen Zeitraum von ein bis maximal zwei Jahren in unterschiedlicher Höhe gewährten. Der Rat der Stadt Köln beschloss im Februar 2018, dem Sommerblut Festival für drei Jahre eine institutionelle Förderung in Höhe von 50.000 Euro pro Jahr zukommen zu lassen. Zudem unterstützen verschiedene Sponsoren und Partner das Festival. Anfang 2018 zählte der Verein 22 Mitglieder. Das Festival-Team bestand 2018 aus 15 Personen, darunter auch Menschen mit Behinderungen. Insgesamt sind zehn freie Mitarbeiter/innen darin eingebunden, das Sommerblut-Festival zu planen und umzusetzen. Außerdem beteiligen sich zwischen 80 und 100 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen mit und ohne Behinderungen an dem Festival. Die Schirmherrschaft über das Festival hat der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Köln, Jürgen Roters.

Der Verein hat, während er seine Homepage aufgebaut hat, besonders auf Barrierefreiheit geachtet. Auf dieser vereinseigenen Internetseite gibt es Informationen zum Festival und zu Aktivitäten des Vereins. Neben der Internetseite, Flyern und Broschüren gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, sich zu informieren. Zum Beispiel über Facebook oder den Sommerblut- YouTube-Kanal. Noch mehr Informationen erhalten Interessierte, indem sie den Newsletter abonnieren oder auf den Internetseiten von Projektpartner/inne/n. Darüber hinaus berichten die Tagespresse und das Fernsehen (z.B. das ZDF) über das Festival. Auf der Online-Plattform rausgegangen.de, die Veranstaltungstipps für Köln sammelt und online stellt, gibt es während des Festivals das Veranstaltungsprogramm.

Der Verein, so ist in einer Selbstdarstellung zu lesen, ziele durch seine Kunst- und Kulturprojekte darauf ab, nachhaltig die Werte in der Gesellschaft zu verändern. Es gehe ihm dabei um Integration, Inklusion und um „eine generelle wertschätzende Haltung gegenüber dem Anderssein“.

Einschätzung des Inklusionskatasters

Das Sommerblut Festival beeindruckt durch sein umfangreiches Veranstaltungsangebot und durch seinen Zulauf – sowohl auf Seiten des Publikums als auch auf Seiten der vertretenen Künstler(gruppen).

Das Sommerblut Festival ist auf dreierlei Weise inklusionsorientiert. Es widmet sich einerseits inhaltlich Themen, die Inklusion in den Blick nehmen und Verschiedenheit anerkennen und wertschätzen. Andererseits bringen die vielfältigen/unterschiedlichen Künstler/innen, die beim Festival auftreten, diese Themen gemeinsam mit anderen zum Ausdruck. Darüber hinaus bemühen sich die Veranstalter/innen, ein möglichst diverses Publikum zu erreichen. Dafür bieten sie Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen möglichst barrierefreie beziehungsweise barrierearme Veranstaltungen an. Auch in Hinblick auf die Eintrittsgelder ist das Festival barrierearm.

 

Förderung der Teilhabe am kulturellen Leben und Bewusstseinsbildung

Von den Aktivitäten des Vereins bzw. des Festivals lassen sich Bezüge zu den Artikeln 30 (Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport) und 8 (Bewusstseinsbildung) der UN-BRK herstellen. Teilhabe am kulturellen Leben fördert der Verein auf zwei Ebenen: zum einen auf der Ebene der Kulturschaffenden, indem Künstler/innen mit Behinderungen beim Festival auftreten. Zum anderen aber auch auf der Ebene des Publikums, das aus Zuschauer/innen mit und ohne Behinderungen besteht. Dadurch, dass sowohl Menschen mit Behinderungen als auch ohne beim Sommerblut-Festival auftreten, wird nicht nur bei den Zuschauer/inne/n das Bewusstsein für Inklusion geschärft, sondern auch bei den Künstler/inne/n ohne Behinderungen. Durch die umfängliche Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert Sommerblut auch das Bewusstsein der breiteren, an Kunst und Kultur interessierten Öffentlichkeit. Das Festival fördert Vielfalt im Sinne eines weit gefassten Inklusionsbegriffes: Das Angebot des Vereins und des Festivals steht allen Personengruppen offen und geht somit über die Personengruppe der Menschen mit Behinderungen hinaus.

 

Partizipative Ausrichtung

Die Künstler/innen hätten aber noch viel mehr Möglichkeiten, teilzuhaben und mitzubestimmen, betonen die Projektverantwortlichen. So könnten die Darsteller/innen nicht nur auf der Bühne mitmachen/partizipieren, sondern auch bei der künstlerischen Gestaltung mitwirken. So heißt es: „Konkret bedeutet dies, dass ein bis zwei solcher »Expert*innen« gemeinsam mit dem Projektleiter, Regisseur und der Dramaturgin das Leitungsteam ausmachen und sich über die künstlerischen Entscheidungen hinsichtlich der Gesamtaufführung abstimmen“. Dass die Projektverantwortlichen jedoch nicht nur/ausschließlich bei den Darsteller/innen Menschen mit Behinderungen einbeziehen, sondern auch auf der organisationellen Ebene, wäre allerdings wünschenswert. Ob und wie viele Menschen mit Behinderung zum 15- köpfigen Festival-Team gehören, ist auf der Homepage nicht ersichtlich.

 

Inklusionsorientierung und Förderung von Vielfalt

Der Verein versucht sein Anliegen – die „generelle wertschätzende Haltung gegenüber dem Anderssein“ – unter anderem durch tabubrechende kulturelle Angebote auszudrücken. Die Angebote finden im Rahmen eines jährlichen Festivals statt und sind somit zeitlich begrenzt. Genau darin besteht auch zunächst die Chance der Angebote: Sie können dadurch, dass sie vom kulturellen Standardangebot abweichen, besondere Aufmerksamkeit erregen. Wünschenswert erscheint es, diese Besonderheit der Kulturangebote auch in reguläre Angebote zu überführen. Das würde bedeuten, die Kulturangebote des Sommerblut-Festivals weiter auszugestalten, diese in das Standardprogramm der Kulturlandschaft Köln zu übernehmen und somit dauerhaft anzubieten. Dieses Vorhaben kann der Verein ggf. mit den Netzwerkpartner/inne/n gemeinsam voranbringen. Dadurch, dass das Sommerblut-Festival so viele Veranstaltungsorte hat, birgt es die Chance, die Anliegen des Vereins auch in die Fläche zu bringen und sichtbar zu machen. Veranstaltungen wie beispielsweise die inklusive Stadtraum-Performance „Drugland“ finden mitten im Gemeinwesen statt und machen das Projekt und Inklusion sichtbar. Gleichzeitig besteht dabei auch die Möglichkeit, die Bürger/innen mit einzubeziehen. Zudem nimmt sich Sommerblut bei dieser Performance einer Thematik an, die individuell auf ein Kölner Quartier zutrifft und berücksichtigt dabei verschiedene Perspektiven.

 

Mehr Aufmerksamkeit für inklusive Kunst durch Sommerblut

Das Sommerblut- Festival hat sich über die Jahre zu einem etablierten Event entwickelt, bei dem Anderssein nicht nur ‚normal‘, sondern positiv ist. Vorbildlich ist dabei die Vernetzung nicht nur mit anderen Akteuren aus der Kulturszene, sondern auch darüber hinaus sowie die breit aufgestellte Öffentlichkeitsarbeit. Mit einigen Produktionen taucht Sommerblut mitten ins Gemeinwesen/ in den Sozialraum hinein und berücksichtigt dabei die individuellen Gegebenheiten vor Ort. Dadurch bleibt das künstlerische Handeln nicht auf Distanz, sondern wird konkret und fassbar. Sommerblut bedient sich auch immer wieder Tabubrüchen, um aufzurütteln und Bewusstsein zu schaffen. Dass Köln und der/die Kölner/in an sich bekanntermaßen aufgeschlossen sind, kommt der Unkonventionalität von Sommerblut sicherlich entgegen. Die Publikumszahlen lassen vermuten, dass sich auch über das Stadtgebiet hinaus Menschen gerne von Außergewöhnlichem begeistern und ‚anstecken‘ lassen. Das Sommerblut- Festival verhilft inklusiver Kunst zu mehr Aufmerksamkeit. Durch die vielen Veranstaltungsorte besteht die Chance, mehr barrierefreie oder barrierearme Angebote zu ermöglichen. Es ist dem Verein offensichtlich gelungen, wichtige Förderer zu finden, die sein Anliegen teilen und daran interessiert sind, das Kulturfestival fortzusetzen.

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.