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Bahnsteig 42

Mitarbeiter im Café Eingang
Fotograf: Ludger Humpert

Menschen mit Lernschwierigkeiten haben es nicht selten schwer eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Auch die Auswahl zwischen verschiedenen Berufen ist häufig nicht möglich. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen stehen ebenfalls vor dem Problem mangelnder Auswahlmöglichkeiten: viele öffentliche Gebäude, Verkehrsmittel und Dienstleistungen sind für sie durch bauliche Barrieren nach wie vor unzugänglich. Reisen können dadurch zum Beispiel nur schwierig spontan geplant und nicht alle (kulturellen) Veranstaltungen können erreicht werden. Das Projekt „Bahnsteig 42“ nimmt sich beider Probleme an.

 

„Bahnsteig 42“ ist (wie der Name schon sagt) ein Bahnsteig und befindet sich im Iserlohner Stadtbezirk Letmathe, Stadtteil Genna. Dessen Postleitzahl steuerte auch die Zahl am Ende des Namens bei. „Bahnsteig 42“ ist jedoch noch mehr als ein Bahnsteig: „Bahnsteig 42“ entspricht neben dem Bahnsteig auch einer Wohngruppe, einem Redaktionsraum, einem Café-Bistro, einem Kiosk und einem Ort für Begegnung und Kultur. Im April 2015 feierte der Bahnsteig Eröffnung.

Zu Beginn standen viele Ideen unterschiedlicher Träger im Raum, aber ein geeigneter Ort fehlte. Als der ortsansässige Architekt Manfred Kissing sich schließlich im Jahr 2013 das denkmalgeschützte, aber fast verfallenen Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1865 kaufte und nach einem neuen Nutzungskonzept suchte, kam eins zum anderen.

Der psychosoziale Trägerverein (www.pst-ev.de) suchte eine Wohnmöglichkeit für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Möglichst zentral sollte diese sein und eine gute Anbindung haben. Die Diakonie Mark-Ruhr (www.diakonie-mark-ruhr.de) bzw. deren Iserlohner Werkstätten (www.iswe.de) suchten nach Außenarbeitsplätzen in der Gastronomie für ihre Mitarbeiter/innen mit Behinderung und einem zentraleren Ort um die Redaktion des werkstatteigenen Magazins „caput“ unterbringen zu können. Ein Bahnhofsgebäude und dessen Nutzung als eben solches erschien für all dies als sehr geeignet. Auch die Stadt Iserlohn beteiligte sich als Mieter an dem Projekt.

Das Bahnhofsgebäude, das zuvor unter Denkmalschutz stand, wurde im Zuge der barrierefreien Ausrichtung trotz dieses Denkmalschutzes entsprechend umgestaltet. Neben den physischen Barrieren wurde auch auf Barrieren beim Zugang zu Informationen geachtet. Denn der Bahnhof verfügt über das CABito-System, welches Bild- und Gebärdensprache, sowie Sprachausgabe und Leichte Sprache nutzt um über den Fahrplan oder kulturelle Angebote zu informieren.

Nicht grundlos wurde der Slogan „Bahnsteig 42 – Hier kommt man zusammen“ gewählt, denn Ziel ist es auch Begegnungsort für Menschen mit und ohne Behinderung zu werden. Daher die Einrichtung eines Café-Bistros und eines Kiosks, der die Nutzer/innen des Bahnsteigs zum Verweilen einlädt. Beschäftigt sind dort Menschen mit und Menschen ohne Behinderung und es wird ein besonderer Wert auf Arbeit in Eigenregie gelegt.

Mit „Kultur am Bahnsteig 42 (KAB 42)“ ist „Bahnsteig 42“ auch ein Ort für Kultur. Im Bahnhofsgebäude werden einmal monatlich Angebote aus Musik, Lyrik und Kunst unterbreitet. Diese beziehen sich zumeist auf die Behinderungsthematik oder angrenzende Themen und sollen zu einem neuen Blick auf Behinderung anregen.

Das Projekt trägt sich durch die Umsätze selbst. Die Umgestaltung von „Bahnsteig 42“ in einen Integrationsbetrieb steht in absehbarer Zeit auf dem Prüfstand.

„Bahnsteig 42“ verfolgt im Wesentlichen Artikel 24 (Bildung) und Artikel 27 (Arbeit und Beschäftigung) der UN-Behindertenrechtskonvention, da es eine andere Art der Beschäftigung und Bildung für Menschen mit Behinderung ermöglicht. Des Weiteren trägt „Bahnsteig 42“ zur Bewusstseinsbildung bei, regt zu einem neuen Bild von Menschen mit Behinderung an und bricht segregierende Strukturen auf (Artikel 8 UN-BRK). Durch die bauliche Umgestaltung des Bahnhofs wurde zudem die physischen Zugänglichkeit wie auch die Zugänglichkeit zu Informationen erhöht (Artikel 9 UN-BRK). Mit „KAB 42“ wird die gleichberechtigte Teilhabe an Freizeit und Kultur für Menschen mit Behinderung ermöglicht (Artikel 30 UN-BRK).

Lebensbereich

  • Bildung
  • Kultur
  • Wohnen
  • Arbeit & Beschäftigung
  • Öffentlicher Raum

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.

Fotograf: Ludger Humpert