Kriterien zur Auswahl der Planungsaktivitäten und Projektbeispiele

Praxisbeispiele und Projektideen sollen besonders zur Entwicklung inklusiver Gemeinwesen beitragen. Sie sollen darauf abzielen, Menschen mit Behinderung eine unabhängige Lebensführung und die gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Die folgenden Kriterien zur Auswahl von Inklusionsprojekten wurden im Forschungsprojekt‚ Inklusive Gemeinwesen Planen‘ erarbeitet. 

 

1. Impuls aus der UN-BRK

 

Die Aktivitäten sollen sich in ihrer Ausrichtung an der UN-Behindertenrechtskonvention orientieren. Diese gibt zu einer Vielzahl von Themen des Zusammenlebens von Menschen mit und ohne Behinderungen Impulse, die von Aktivitäten / Projektbeispielen aufgegriffen werden sollen. Einige Themen, wie beispielsweise Barrierefreiheit wurden auch bereits vor der Ratifizierung der Konvention diskutiert, so dass der Beginn der Aktivitäten auch schon zu einem Termin vor der Ratifizierung liegen kann.

 

2. Inklusive und partizipative Ausrichtung der Aktivitäten

 

Entsprechend der Konvention sollen Aktivitäten darauf abzielen, die Entwicklung inklusiver Gemeinwesen zu unterstützen. Eine besondernde, segregierende Gestaltung von Aktivitäten ist diesem Ziel nicht zuträglich, auch wenn diese als inklusiv bezeichnet werden sollten. Daher müssen die Projekte darauf untersucht werden, in wie weit sie dabei unterstützen, das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Sie sollen darüber hinaus Menschen mit Behinderungen und allen Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten der Beteiligung bieten.

 

3. Gemeinwesenbezug

 

Die Aktivitäten sollen in diesem Verständnis vor allem auf die Veränderung des Gemeinwesens ausgerichtet sein, also schon vorhandene Strukturen nutzen und so (um)gestalten, dass sie sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderung nutzbar werden. Im Gegensatz zu einem besondernden oder integrativen Ansatz soll nicht zunächst der Mensch mit Behinderung „angepasst“ werden, sondern die sozial gestaltete Umwelt zugänglich gemacht werden.

 

4. Keine exklusive Aktivität der professionellen Behindertenhilfe

Die Aktivitäten sollen nicht auf den Sektor der Behindertenhilfe begrenzt sein und auch andere Akteure des gesellschaftlichen Lebens mit einbeziehen. Die Inklusion von Menschen mit Behinderung setzt voraus, dass Behinderung nicht ein exklusives Thema bestimmter Organisationen ist. Daher können Projekte für ein inklusives Gemeinwesen von Organisationen der Behindertenhilfe initiiert werden, sollen aber auf eine Veränderung im Gemeinwesen ausgerichtet sein.

 

5. Nachhaltigkeit

Die Aktivitäten sollen darauf ausgerichtet sein, einen dauerhaften, nachhaltigen Effekt zu erzeugen. Aktivitäten die nur auf die Durchführung einer bestimmten Aktion abzielen erscheinen wenig geeignet, da Anpassungen des Gemeinwesens durch diese eher nicht zu erwarten sind.