"Initiative Gemeinsam leben & lernen e.V." (igll)

Kurzdarstellung der Aktivität

Beratungsangebot zum gemeinsamen (Auf)wachsen von Anfang an

Die Initiative Gemeinsam leben & lernen e.V. (nachfolgend igll genannt) ist eine gemeinnützige Initiative, die 1997 von Eltern, Freunden, Lehrer/innen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ins Leben gerufen wurde. Die Initiative setzt sich für das gemeinsame, inklusive Aufwachsen und für inklusive Bildungs- und Entwicklungswege (in Kindergarten, Schule, Beruf und Freizeit) im Rhein-Kreis Neuss ein. Im Hinblick auf mögliche Unsicherheiten oder Schwierigkeiten, die hier und insbesondere bei Übergängen im Lebenslauf (z.B. von der Kindertageseinrichtung in die Schule) oftmals bestehen, berät und unterstützt die Initiative Eltern von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung. Ferner engagiert sich der igll mit Aktionen und unterstützenden Maßnahmen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, der Gesellschaft und der politischen Meinungsbildung für die Verwirklichung der Inklusion von Menschen mit Behinderung.

Die Initiative leistet insgesamt einen Beitrag zur inklusiven Bildung bzw. versucht diese im Sinne von Art. 24 der UN-BRK (Bildung) voranzutreiben. Gleichzeitig trägt sie zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich eines gemeinsamen Aufwachsens bei (Art. 8 UN-BRK).

Lebensbereich

  • Bildung
  • Unterstützung (Beratungsangebot zu Freizeit-, Arbeits- und Wohnbereich)
  • Kommunikation und Interaktion (hier insb. Öffentlichkeitsarbeit) und
  • Bürgerschaftliches Engagement

Gebietskörperschaft

Rhein-Kreis Neuss

Einwohnerzahl

 454.090

Zuordnung zu Dimensionen

  • inklusive Gestaltung von Bildungseinrichtungen und anderen Diensten des öffentlichen Lebens (Mainstreaming)
  • Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für die Idee der Inklusion

Ausschlaggebender Impuls

Die Initiative gemeinsam leben & lernen e.V. entstand aus einer Elterninitiative zweier Mütter im Jahre 1996, die für ihre Kinder mit und ohne Behinderung ein schon im Kindergarten und zu Hause praktiziertes normales Miteinander auch im weiteren Schulleben erreichen wollten. Die Gründungsversammlung des Vereines war am 25.11.1997. Zeitnah erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Im Sommer 2002 eröffnete igll ein Beratungsbüro mit Geschäftsstelle. Die Geschäftsstelle ist in der Regel montags von 9:00 – 12:30 Uhr und mittwochs von 9:00 – 16:00 Uhr besetzt.

Heute zählt der igll rund 160 Mitglieder.

Ziele des Projekts

Die Ziele der Initiative bestehen darin, sich für inklusive Entwicklungs- und Bildungswege zu engagieren und diese voranzutreiben. Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam aufwachsen, lernen und leben. Inklusion soll im Kindergarten, in der Grund- und weiterführenden Schule, in der beruflichen Bildung, in der Arbeitswelt, in der Freizeit und im Wohn- und Lebensraum gelebt werden. Die Ziele beziehen sich explizit auf Art. 24 der UN-BRK (Bildung). Menschen / Kinder mit Behinderungen sollen hiernach nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem und vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden (vgl. Art. 24, Abs. 2 a). Sie sollen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben (vgl. ebd., Abs. 2b). Die Initiative setzt auf ein gemeinsames Aufwachsen von Anfang an und den Abbau von Barrieren. Gleichzeitig werden hierbei die unterschiedlichen Stärken und Schwächen jedes Einzelnen wertgeschätzt und berücksichtigt. Dies entspricht bzw. unterstützt v.a. die Forderung Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen zu lassen gemäß Art. 24 Abs. 1b.

Ebenso fördert die Initiative das Bewusstsein eines selbstverständlichen Umgangs und Aufwachsens von Anfang an im Sinne von Art. 8 der UN-BRK (Bewusstseinsbildung). Hier wird insbesondere Art. 8, Abs. 2 aufgegriffen, in dem es um die Förderung einer respektvollen Einstellung gegenüber den Rechten von Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen des Bildungssystems, auch bei allen Kindern von früher Kindheit an geht.

Rechtlicher Rahmen

  • UN-Behindertenrechtskonvention
  • Grundgesetz
  • Allgemeines Gleichstellungsgesetz
  • Eingliederungshilfe SGB XII (Finanzierung Inklusionsassistenz)
  • Schulgesetz NRW
  • Landesleistungsgesetz Inklusion NRW
  • Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT)
  • SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe)
  • Behindertengleichstellungsgesetz (BGG NRW)
  • Richtlinien und Erlasse (z.B. Grundlagenerlass zur OGS)
  • Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung (AO-SF)
  • Arbeitshilfe „Inklusive Gemeinwesen planen“ MAIS NRW
  • Kommunaler Index für Inklusion
  • Kreisentwicklungskonzept Inklusion des Rhein Kreises Neuss
  • Empfehlungen zur inklusiven Bildung (Deutsche Bischofskonferenz 2012)
  • Erklärung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken zur Inklusion (2012)
  • Schulgesetz für die katholischen Schulen im Erzbistum Köln 

Maßnahmen

Die Initiative engagiert sich im Rhein-Kreis Neuss dafür, dass junge Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen gemeinsam aufwachsen, in Kindergarten und Schule mit- und voneinander lernen und später im Beruf zusammenarbeiten können. Die Initiative setzt sich für Folgendes ein:

  • für den stetigen Ausbau von Inklusion: im Kindergarten, in der Grund- und weiterführenden Schule, in der beruflichen Bildung, in der Arbeitswelt und in der Freizeit nach dem Grundsatz: „Es ist normal, verschieden zu sein – alle inklusive“.

Hierzu gibt es durch eine Vernetzungsarbeit vielfältige Angebote. U.a. gibt es eine

    • Initiative/Konzeptvorarbeit für die Einrichtung eines inklusiven Bildungsangebots an einem örtlichen Berufskolleg: http://www.btineuss.de/
    • ein Angebot eines inklusiven Malkurses
    •   in Kooperation mit der Lebenshilfe gibt es ein Tanzkursangebot in einer örtlichen Tanzschule http://www.lebenshilfe-neuss.de/Angebote/Offene_Hilfen/offene_hilfen.html
    • in Kooperation mit dem örtlichem Träger der Behindertenhilfe und einer Jugendfreizeiteinrichtung geht es um die Entwicklung und Umsetzung eines dreijährigen, von der Aktion Mensch geförderten Kooperationsprojekts zur inklusiven Jugendfreizeitarbeit.
    • Ferner wurde für den Rhein-Kreis Neuss eine erstmalige Fortbildungsmaßnahme für Inklusionsassistent/innen initiiert. In Kooperation mit örtlichem Träger der Erwachsenenbildung geht es auch in diesem Bereich um die Entwicklung und Umsetzung der Fortbildungsmaßnahme (5 Tage). Diese wird als Grund- und Aufbaukurs angeboten und nunmehr durch den Rhein-Kreis Neuss aus Landesmitteln für Inklusion finanziert.
  • Igll setzt sich ferner für die individuelle Förderung eines jeden Kindes und Jugendlichen: ob mit oder ohne besonderem Förderbedarf;
  • für den Abbau von Vorurteilen: „wer von Kindesbeinen an miteinander aufwächst, lernt jeden Menschen nicht an seinem wirtschaftlichen Nutzen zu messen, sondern ihn in seiner Unterschiedlichkeit zu schätzen und zu akzeptieren“ (igll.de o.J.)

Konkrete Beratungsarbeit

Eltern werden durch die Weitergabe eigener Erfahrungen beraten. Sie erhalten Informationen und Orientierung zu rechtlichen Rahmenbedingungen und finden Kontakt zu anderen Eltern. Die Initiative igll organisiert Info-Abende zu spezifischen Themen (z.B. persönliches Budget, berufliche Inklusion) und organisiert in Zusammenarbeit mit dem Inklusionsbüro für schulische Angelegenheiten Informationsveranstaltungen für Eltern von zur Einschulung anstehenden Kindern mit Behinderung.

Eltern werden zugleich zu offiziellen Gesprächen oder Besuchen in Schulen, im Schulamt oder der Agentur für Arbeit begleitet. Sie erhalten Hilfe bei der Formulierung von Anträgen oder anderen Schreiben an Behörden (insbes. auch Familien mit Migrationshintergrund).

Mitwirkung an öffentlichen, politischen Gremien

Die Initiative igll besucht des Weiteren öffentliche Sitzungen der Schul-, Sozial- und Jugendausschüsse des Kreises und der kreisangehörenden Städte (soweit zeitlich möglich), sichtet die jeweiligen Sitzungsunterlagen und sendet den Ausschussmitgliedern Statements und Forderungen, wenn inklusionsrelevante Themen auf der Tagesordnung stehen. Beispielsweise traf sich der Kreisschulausschuss zu einer Sondersitzung mit igll, in der mit Politik und Verwaltung zu Stand und Handlungsbedarf der Inklusion im Rhein-Kreis diskutiert wurde. Ein Ergebnis: vom Rhein-Kreis Neuss wird eine systemische Unterstützung der Schulen und des Offenen Ganztags durch Inklusionsassistent/innen entwickelt.

Im Herbst vergangenen Jahres nahm der Jugendhilfeausschuss der Stadt Neuss nach Anregung durch igll die Inklusion in die Präambel des städtischen Kinder- und Jugendförderplans 2015–2020 auf (dies war im Entwurf nur in einigen Unterpunkten genannt). Inklusion wird damit als Gestaltungs- und Förderprinzip der künftigen Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt Neuss benannt.

Die Initiative igll e.V. ist ferner Mitglied in mehreren Arbeitskreisen: Arbeitskreis Übergang-Schule-Beruf (Bezug: Rhein-Kreis Neuss); Arbeitskreis „Neuss barrierefrei“ und Arbeitskreis „Neuss für alle“ (Bezug: Stadt Neuss).

Bei Fragen und Workshops zur Inklusion ist igll e.V. Ansprechpartner für Verwaltung und Politik. Bei der Abfassung des Kreisentwicklungskonzepts Inklusion war igll e.V. an einem Workshop beteiligt und nahm später ausführlich Stellung zu dem von der Verwaltung vorgelegten Entwurf.

Unterstützung im Arbeitsbereich: Übergang in die Arbeitswelt aus

Die Initiative igll e.V. wirkt im Arbeitskreis Übergang-Schule-Beruf auf Kreisebene mit. Gegenüber Politik und Verwaltung im Rhein-Kreis Neuss wie auch gegenüber dem Erzbistum Köln (als Träger eines katholischen Berufskollegs in Neuss) fordert igll seit langem Bildungsgänge für Schüler/innen mit (insbesondere geistiger) Behinderung an Berufsbildungszentren nach Abschluss der inklusiven Sekundarstufe I. Bislang sind diese Schüler/innen gezwungen, nach dem Besuch der Regelschulen auf eine Förderschule zu wechseln, da ein adäquates Angebot fehlt. In Kontaktgesprächen mit den Verantwortungs- und Entscheidungsträgern sowie in Statements an maßgebliche politische Ausschüsse weist igll immer wieder auf die Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention auch in diesem Bereich hin.

Als ein Ergebnis dieser Bemühungen ist die Einrichtung eines Bildungsgangs „Hausmeisterhilfe“ am Berufskolleg für Technik und Information (BTI Neuss) zu sehen, das im Frühjahr 2015 startete. Der Rhein-Kreis Neuss möchte die Erfahrungen dieses Pilot-Projekts nutzen, um auch an anderen Berufsbildungszentren in Trägerschaft des Kreises entsprechende Bildungsgänge einzurichten.

Initiativen und Vereine, die inklusive Beschäftigungsmöglichkeiten entwickeln, werden von igll unterstützt, beispielsweise durch aktive Mitgliedschaft bei PAUL e.V. Kaarst (Prima arbeiten und leben, Kaarst http://prima-arbeiten-und-leben.de/ ) und als Gesellschafter der PAULkocht gGmbH Kaarst http://paul-kocht.de/). 

Auch werden mit interessierten Eltern (und Jugendlichen) Informationsbesuche bei innovativen Projekten wie z.B. dem Inklusions-Dienstleister Füngeling Router in Köln durchgeführt.

Insgesamt intendiert bzw. möchte igll folgendes: 

  • Anlauf- und Informationsstelle für Betroffene und Interessierte sein.
  • Mut machen und aktive Hilfe geben für den inklusiven Weg in Kindergarten, Schule, Berufs- und Arbeitswelt und in der Freizeit.
  • Hilfestellung geben bei der Erledigung von Behörden-Angelegenheiten und Formalien.
  • Erfahrungsaustausch unter Betroffenen fördern.
  • Für jedes Kind und jeden Jugendlichen mit Teilleistungsschwäche oder Behinderung die individuell angemessene Förderung erreichen.
  • Inklusionsausgerichtete Maßnahmen und Projekte finanziell fördern. Beispiele: Kindertageseinrichtungen, Schulen, Initiativen, Vereine können im Rahmen verfügbarer Spendenmittel für Maßnahmen und Projekte, die der Förderung der Inklusion dienen, einen finanziellen Zuschuss beantragen. Ferner zählen u.a. die Anschaffung besonderer Lehr- und Lernmittel oder Ausstattungen, Durchführung von Projekten wie Zirkusprojekt, Projektwoche Vielfalt, internationales Fußballturnier „Fußball mit Handicap“, Bezuschussung der Einrichtung inklusiver Beschäftigungsprojekte, Bezuschussung von Fortbildungsseminaren für Inklusionsassistent/innen hierzu. In einzelnen Fällen übernimmt igll – mit Hilfe der Werhahn-Stiftung Neuss – die Finanzierung der Inklusionsassistenz im Nachmittagsbereich, damit Kinder mit besonderem Förderbedarf nach dem Gemeinsamen Unterricht an den Angeboten des Offenen Ganztags teilnehmen können. Die Kostenträger im Rhein-Kreis Neuss verweigern bislang die einkommensunabhängige Eingliederungshilfe, da sie die OGS lediglich als ein Betreuungsangebot ansehen.
  • In der Öffentlichkeit über Bedürfnisse und Rechte von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen aufklären.

Auf der Homepage von igll sind verschiedene Informationsmaterialen und Medienberichte rund um das Thema Inklusion und zur UN-BRK zu finden (siehe: http://www.igll.de). Hierzu werden anschauliche Praxisbeispiele und Anregungen zusammengestellt (u.a. Wegweiser zum Gemeinsamen Unterricht, Gemeinsamer Unterricht im Rhein Kreis Neuss, „Inklusionslandkarte“ – Landkarte der inklusiven Beispiele, die Freizeitangebote der Offenen Hilfen, Lebenshilfe Neuss e.V. oder die UN-BRK selbst etc.). Ferner findet sich hier das Wohnbeispiel der inklusiven Wohngemeinschaft in Reutlingen (das
Exklusiv Inklusiv Wohnen
http://www.youtube.com/watch?v=AxLTXXWidUw).

2009 gab igll den Anstoß für ein Rechtsgutachten zur Auswirkung der UN-BRK auf das deutsche Schulsystem. Dieses, was im Januar 2010 von dem renommierten Verfassungsrechtler Prof. Dr. Eibe Riedel erstattete Gutachten „Zur Wirkung der internationalen Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und ihres Fakultativprotokolls auf das deutsche Schulsystem“ hebt den Rechtsanspruch auf gemeinsame Bildung hervor. Das Gutachten wurde in Projektpartnerschaft von Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW, Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen und Sozialverband Deutschland (SoVD) veröffentlicht und den politischen Entscheidungsträgern zugeleitet. Es förderte bundesweit die Diskussion um die Umsetzung von Inklusion im Bildungsbericht maßgeblich.


Zudem werden Links zu weiteren hilfreichen Homepages oder anderen Anlaufstellen gegeben. Bereits auf der Startseite erhalten Eltern ansprechend und zielorientiert die wichtigsten Informationen zum Gemeinsamen Unterricht (GU) und eine mögliche Vorgehensweise – der Weg zum gemeinsamen Unterricht. Oder die neuesten Schulbeschlüsse sind zu finden.

Beteiligte und Netzwerke

Die Arbeit der Initiative igll e.V. wird gesteuert durch den Vorstand. Nach außen wird die Initiative von einer Vorstandssprecherin und einem Vorstandssprecher sowie dem Schatzmeister vertreten.

Als ehrenamtlich tätiger Verein stößt der igll e.V. Projekte an und sucht sich einen Partner, der über die dafür notwendigen Ressourcen verfügt. Er unterstützt, berät und begleitet während des laufenden Projektes.

Die Projektpartner werden je nach Themeninhalt, gleichartigen Interessen und Ressourcen gesucht. Die Fortbildung für Inklusionsassistent/innen ist z.B. das Familien-Forum Edith Stein, Neuss (Träger der Erwachsenenbildung) (http://www.familienforum-neuss.de/unser-programm/qualifizierung/inklusionsassisteninnen-und-assistenten/?id=24098).  Für die inklusive Jugendfreizeitarbeit sind es das Haus der Jugend Neuss und St. Augustinus Behindertenhilfe Neuss. Für den inklusiven Tanzkurs ist es die Lebenshilfe Neuss und eine örtliche Tanzschule.

Die Partizipation der Betroffenen erfolgt, da es sich um Kinder und Jugendliche handelt, überwiegend über die Eltern als Erziehungsberechtigte/gesetzliche Vertreter. Soweit sie in der

Lage sind, sich einzubringen, werden Kinder und Jugendliche in direkten Gesprächen an Planungen beteiligt (z.B. bei Maßnahmen im Freizeitbereich).

Der Schwerpunkt liegt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit geistiger Behinderung.

Die Arbeit der Initiative wird hauptsächlich ehrenamtlich geleistet. Bei Protestaktionen, Aktionstagen oder Infoständen auf der Straße wirken die Mitglieder der Initiative (und ihre Kinder und Jugendlichen) aktiv mit.

Zwei Personen sind im Rahmen geringfügiger Beschäftigung für igll zur Bewältigung der Aufgaben der Geschäftsstelle tätig: Beantwortung von Anfragen, Elterngespräche, allgemeine Korrespondenz, organisatorische Umsetzung geplanter Vorhaben und Veranstaltungen, Mitgliederverwaltung, Zuarbeit zu den Aufgaben des Schatzmeisters, Mitgliederinformation (monatlicher Newsletter „aktuelles vom igll“), Pflege der Homepage, Archivierung von Presseartikeln, Aktualisierung und Bestellung von Informationsmaterialien und vieles anderes mehr.

Die Initiative igll e.V ist in folgende Kooperationsstrukturen/Netzwerke eingebunden:

- Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben, Gemeinsam lernen NRW

- AK Neuss barrierefrei (Stadt Neuss)

- AK Meerbusch barrierefrei (Stadt Meerbusch)

- AK Übergang Schule-Beruf (Rhein-Kreis Neuss)

Mit anderen Einrichtungen, Vereinen und Verbänden wie dem Haus der Jugend Neuss, der St. Augustinus Behindertenhilfe, dem Familienforum Edith-Stein Neuss, dem Paul e.V. Kaarst, dem Kunst-Café Einblick und der KoKoBe Rhein-Kreis Neuss bestehen unterschiedliche Formen der Kooperation und des Informationsaustauschs. 

Der Rhein-Kreis Neuss beteiligt darüber hinaus die Initiative igll bei inklusionsrelevanten Themen, z.B. bei Beratungen zum Kreis-Entwicklungskonzept Inklusion, Begehungen von Einrichtungen zur Prüfung der barrierefreien Gestaltung dieser Einrichtungen, z.B. aktuell im Bereich der Kultur.

Die Initiative igll wird von der Stadt Neuss zum Arbeitskreis „Neuss barrierefrei“ und zu Veranstaltungen zu inklusionsrelevanten Themen eingeladen.

Eine Einbindung in überregionale Planungsstrukturen ist durch die Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen NRW e.V. gegeben.

Finanzierung und Ausstattung

Die Initiative igll ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt und nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftssteuergesetzes von der Körperschaftssteuer befreit. Die Arbeit erfolgt ausschließlich ehrenamtlich und die Mitglieder erhalten keine öffentlichen Mittel. Die Förderung von Maßnahmen zur Inklusion und der Betrieb der Geschäftsstelle wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

Projektablauf und zeitliche Rahmung

Die Initiative igll entstand 1997 nicht als zeitlich befristetes Projekt. Auch nach Inkrafttreten des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes mit dem erstmaligen allgemeinen Anspruch auf Inklusion und nach Einführung der Landesförderung nach dem Landesleistungsgesetz Inklusion ist die Verwirklichung der Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention kein Selbstläufer.  Im Gegenteil: auf absehbare Zeit ist die Initiative igll notwendig, um die Umsetzung der Inklusion zu fördern und kritisch zu begleiten. Für die Existenz und Arbeitsfähigkeit der Initiative ist unabdingbar, dass sich junge Eltern bei igll engagieren, deren Kinder mit Behinderung jetzt oder in naher Zukunft den Gemeinsamen Unterricht besuchen. Diesen Generationenwechsel hat die Initiative igll bereits eingeleitet.

Inklusive Ausrichtung des Projektes und Gemeinwesenbezug

Nach dem Grundsatz: „Es ist normal, verschieden zu sein – alle inklusive“ sollen alle gemeinsam aufwachsen, leben und lernen, unabhängig davon, ob sie einen besonderem Förderbedarf haben. Die Betonung bei igll liegt immer auf ‚Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung’, wodurch die selbstverständliche Einbeziehung von verschiedenen Menschen realisiert wird. Zugleich wird hiermit die Verschiedenheit wertgeschätzt. Durch das Engagement, die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die Förderung öffentlichkeitswirksamer Kampagnen wird segregierenden Strukturen (Einschulung in Förderschulen) entgegengewirkt.

Nachhaltigkeit

Die Initiative ist dauerhaft angelegt und ihre Maßnahmen, insbesondere die Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit (Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung) sind auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Idee, Informationsmaterialien rund um die schulische Inklusion und das gemeinsame Aufwachsen zur Verfügung zu stellen, lässt sich einfach umsetzen. Um sich rechtlich dafür einzusetzen und beraten zu können, bedarf es beraterischer Fähigkeiten und themenbezogener Wissensbestände; wobei ein Erfahrungsaustausch unter ‚Gleich-betroffenen‘ sehr einfach zu realisieren ist und v.a. einen Motivationsfaktor darstellen (ermutigen) kann. Notwendig sind hierzu Räumlichkeiten, wo eine Beratung oder ein Erfahrungsaustausch stattfinden kann. Durch die Einbindung in regionale Kooperationsstrukturen und die Mitwirkung an öffentlichen, politischen Gremien und Diskussionen wird zudem die Präsenz und die Umsetzung bestimmter Maßnahmen erhöht (s. Erfolge bei Maßnahmen). 

Gesamteinschätzung

Die „Initiative gemeinsam leben & lernen“ – igll e.V. setzt sich in besonderer Weise für die Umsetzung des Art. 24 der UN-BRK ein, berät und unterstützt Eltern und bietet ihnen eine geeignete Anlaufstelle. Durch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit (Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung im Sinne von Art. 8 der UN-BRK) leistet die Initiative einen Beitrag zur Entwicklung eines inklusiven Gemeinwesens. Durch engagierte Personen ist ein solches Projekt mit geringem Aufwand realisierbar. Zu übernehmen ist insbesondere die Bereitstellung geeigneter Informationsmaterialien, die eine Orientierung, Leitfaden etc. geben können.

Einschätzung der Projektverantwortlichen

Der Projektverantwortliche hebt vor allem die vielfältige Arbeit auf unterschiedlichen Ebenen hervor und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern.

Die Arbeit findet an der Basis statt (d.h. im konkreten Einzelfall, in der konkreten Maßnahme, mit anderen Eltern zusammen/für andere Eltern); gegenüber Verwaltung und Politik (übergreifende Themen, konzeptionelle Entwicklungen); in der Öffentlichkeit (Beteiligung an der öffentlichen Diskussion und eigene Öffentlichkeitsarbeit); überregional durch die Vernetzung mit anderen Initiativen und der LAG Gemeinsam leben, Gemeinsam lernen NRW.

Er betont ferner, dass dies ohne die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit im Vorstand, nicht möglich wäre. Die Initiative ist seit nunmehr 19 Jahren so aktiv.

Die sichtbaren Ergebnisse sind in der Entwicklung der Schülerzahlen im Gemeinsamen Unterricht (GU) im Rhein-Kreis Neuss zu sehen und in der Verstetigung und Etablierung der von igll initiierten Angebote wie z.B. Malkurs, Tanzkurs, Qualifizierungsseminare für Inklusionsassistent/innen (2016 bereits im dritten Jahr). Bereits zweimal wurde der Elisabeth-Preis für Inklusion verliehen.

Laut Projektverantwortlichem sei es entscheidend, aus welcher Haltung heraus die Verwirklichung der Inklusion von den Beteiligten betrieben wird: ist sie wirklich ein inhaltliches Anliegen, das aus der Überzeugung heraus gelebt wird: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Oder ist sie nur lästige Pflichtaufgabe, die mit minimalem Arbeitseinsatz und Interesse erledigt bzw. verwaltet wird? „Haltung“ ist selbstverständlich nicht alles, aber ohne die Haltung „ist alles nichts“: wer Inklusion will, sucht nach Lösungen – wer Inklusion nicht will, schiebt die Probleme als Entschuldigung für fehlendes Engagement vor: Sollen die anderen erst mal die Voraussetzungen schaffen. Die Überzeugung bei igll ist: „Inklusion schaffen wir“, wenn alle Beteiligten – auf den unterschiedlichen Ebenen – ihre jeweiligen Aufgaben aktiv angehen.

Gut geklappt habe die engagierte Zusammenarbeit im Vorstand; die Zusammenarbeit mit zielgleichen Partnern; das „Mutmachen für Inklusion“ mit der Auszeichnung gelungener Beispiele als „Botschafter für Inklusion“ mit dem von igll bereits zweimal vergebenen Elisabeth-Preis für Inklusion im Rhein-Kreis Neuss und die Einführung und Implementierung der Fortbildungsseminare für Inklusionsassistent/innen.

Weniger gut geklappt habe die einkommensunabhängige Finanzierung der Inklusionsassistenz in der Offenen Ganztagsschule (OGS). Dies wurde trotz mehrjähriger Bemühungen bislang nicht erreicht.

Die Einrichtung inklusiver Bildungsgänge an Berufskollegs wurde ebenfalls noch nicht wirklich erreicht.

Hemmende oder begünstige Einflussfaktoren seien:

  • Persönliche Zeitressourcen für ehrenamtliches Engagement
  • Finanzierungsfragen. Notwendig ist hierzu die Spendenakquise
  • Konstruktive Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern
  • Vernetzung mit anderen Inklusions-Initiativen
  • Die Haltung zur für Inklusion in Politik und Verwaltung
  • Aktive Öffentlichkeitsarbeit

Die Projektverantwortlichen möchten folgendes anderen auf dem Weg mitgeben, die dies umsetzen möchten:

Wichtig sei es, mit Gleichgesinnten zu beginnen – sich Verbündete zu suchen, die die Verwirklichung der Inklusion unterstützen. Sich Kooperations- und Netzwerkpartner zu suchen. Sich realistische Ziele zu setzen und zu akzeptieren, dass vieles einen sehr langen Atem braucht.

allgemeine Informationen und Materialien

 Offizielle Homepage von igll: www.igll.de, zuletzt geprüft am 28.09.15.

 

Ansprechpartner/in

igll - Initiative gemeinsam leben & lernen e.V.

Antje Wiedemuth, Sprecherin des Vorstandes

Hermann-Josef Wienken, Sprecher des Vorstandes          

Dieter Kleinbölting, Schatzmeister

Ruth Hilger-Schmidt, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle

Sternstr. 71

41460 Neuss

Tel.: 02131 - 3690931

Fax: 02131 - 3690932

Email: info@igll.de

 

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.