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wir(punkt)

Soziales Lernen das bewegt - Kurzdarstellung (in der Analyse)

Kurzdarstellung der Aktivität

Gesprächskreis zur Vorbereitung. Die Schüler diskutieren wie sie die Aufgabe angehen.
© www.kbw-koeln.de/wirpunkt.html

An immer mehr Schulen in NRW lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Die Vielfältigkeit der Kinder ist dabei eine große Chance, stellt die Klassengemeinschaft jedoch auch häufig vor Herausforderungen. So müssen Lehrer/innen und Schüler/innen beispielsweise teilweise erst lernen, mit Verschiedenheit und den draus resultierenden ganz unterschiedlichen Bedürfnissen innerhalb der Lerngruppe umzugehen.

Beim Projekt „wir(punkt) – Soziales Lernen das bewegt“ des Kolping Bildungswerks Köln handelt es sich um ein inklusiv ausgerichtetes, präventives Gruppenangebot (im Bereich der Bewegungs- und Erlebnispädagogik) zum Sozialen Lernen im Rahmen des offenen Ganztags.

Das pädagogische Programm wurde von Expert/inn/en unterschiedlicher Fachrichtungen für den Ganztag entwickelt, da in diesem Zusammenhang immer wieder von Konkurrenzdruck, Ausgrenzung und Neid in Klassen berichtet wurde.

Ziel der Maßnahme ist die Förderung sozialer Kompetenzen und der Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmenden. Zudem werden die Schüler/innen für das Thema Vielfalt sensibilisiert und zum Umgang mit ihr befähigt. Der Klassenverband soll durch die Förderung der Kommunikationskultur und Konfliktfähigkeit der Schüler/innen nachhaltig gestärkt werden. Dies geschieht insbesondere auch, um Ausgrenzung vorzubeugen.

Inklusion wird im Rahmen des Projektes als offene Haltung verstanden und praktiziert. Die Klassengemeinschaft ist eine heterogene Gruppe – jedes Kind hat ganz individuelle Fähig- und Fertigkeiten, die es in die Gemeinschaft einbringen kann. Kategorien wie Alter, Bildung, Religion, Herkunft oder Behinderung spielen dabei keine Rolle. Alle Spiele werden so konzipiert, dass alle Kinder teilnehmen können, ohne eine gesonderte Rolle einzunehmen. Die Spiele können dazu beitragen, individuelle Fähigkeiten der Kinder sichtbar und für die Gruppe nutzbar zu machen. So kann beispielsweise bei einem Flüsterspiel deutlich werden, dass die Schülerin mit Hörbeeinträchtigung besonders gut Lippen lesen kann. Gleichzeitig können die Kinder im Rahmen der Übungen andere Perspektiven übernehmen: Wie schafft man es, mit den Händen auf dem Rücken verbunden zu Klettern? Wie orientiert man sich im Raum mit verbundenen Augen? Wie kann man sich mitteilen, ohne Worte zu benutzen? Dabei steht über allem steht immer die Frage: Wie lösen wir dies als Gruppe? Ganz nach dem Grundsatz: „Der Weg ist das Ziel“ geht es nicht darum, dass ein vorgegebenes Ziel erreicht wird, sondern dass die Gruppe in einem gemeinsamen Prozess überhaupt eine gemeinsame Lösung entwickelt und darum wie die Kinder diese Lösung entwickelt und dabei zusammengearbeitet haben.

Träger des Projektes ist das Kolping Bildungswerk Köln (welcher zugleich Träger der Übermittagsbetreuung im Rahmen des offenen Ganztags von insgesamt 30 Schulen im Raum Köln ist). Im Rahmen der Maßnahme sind drei Inklusionspädagog/inn/en haupt- und zwölf für das Projekt ausgebildete „Coaches“ nebenberuflich tätig. Die Coaches sind beim Kolping Bildungswerk Köln angestellt und haben eine spezielle Schulung durchlaufen. Vier Tage lang wurden sie neben unterrichtlichen Anteilen auch durch Selbsterfahrung mit dem Konzept von wir(punkt) vertraut gemacht. Dabei steht insbesondere die Vermittlung der dahinterliegenden Haltung und Herangehensweise im Vordergrund und weniger die Kenntnis über spezielle Methoden. In der zweiten Phase der Ausbildung konzipieren und begleiten die Coaches selber ein Projekt in einer Klasse und reflektieren dies schließlich. Die Coaches haben in der Regel eine pädagogische Grundausbildung, dies ist aber keine zwingende Voraussetzung. Derzeit arbeiten Coaches aus ganz unterschiedlichen Professionen bei wir(punkt) (z.B. Kulturpädagogik, Psychologie, Sozialpädagogik, Sport).

Ein Projekt besteht aus insgesamt zwölf Praxiseinheiten mit den Schüler/inne/n. In den Praxiseinheiten stehen vor allem Spaß, Spiel und Bewegung im Vordergrund. Das Angebot findet – aufgrund vieler bewegungsintensiver Anteile – in der Regel in der Turnhalle (oder alternativ im Klassenraum) statt und hat seinen festen Platz in der Wochenstruktur einer Klasse (mind. 1h/Woche).

Dabei gleicht keine Einheit der anderen und die Inhalte werden immer speziell an die vorhandenen Gegebenheiten vor Ort angepasst. Die jeweiligen Themen (z.B. Kommunikation, Umgang mit Konflikten, Gefühle, Selbstwahrnehmung, Kooperation) und auch die konkreten Spiele werden auf die Bedarfe und Interessen der Gruppe zugeschnitten. Die Projekte können dabei – je nach Klasse und Rahmenbedingungen – sehr unterschiedlich aussehen. Das Video auf der Projekthomepage gibt einen guten Einblick, wie ganz konkret eine Praxiseinheit aussehen kann (http://www.kbw-koeln.de/ogtsuemi/000000a11f0824f07/000000a11f082d813/index.html). Jede Einheit wird zusammen mit dem/r Klassenlehrer/in reflektiert und dient der Vorbereitung für die nächste Praxiseinheit. Während den Übungen sind die Lehrer/innen als stille Beobachter/innen anwesend.

Das Projekt wird derzeit insbesondere im Rahmen der Übermittagsbetreuung im Offenen Ganztag, an den Schulen für die das Kolping Bildungswerk Köln zuständig ist, durchgeführt. Es gibt aber zunehmend auch externe Anfragen anderer Schulen, die durch die Medien oder „Mund-zu-Mund-Propaganda“ auf das Projekt aufmerksam geworden sind.

Das Projekt ermöglicht inklusive Bildungsprozesse (vgl. Artikel 24 UN-BRK) und trägt – insbesondere durch die Zielsetzung der Befähigung zum Umgang mit Vielfalt – zudem zur Bewusstseinsbildung im Sinne des achten Artikels der UN-Behindertenrechtskonvention bei.