Haupt-Navigation

Sie befinden sich hier

Inhalt

KIM – Kinder-interaktions-modell

Kurzdarstellung (in der Analyse)

Kurzdarstellung der Aktivität

KIM als Buchstaben aufgestellt
© KIM

Alternativprogramm zur Schulbegleitung - innere & äußere Bewusstseinsbildung

Um Inklusion verwirklichen zu können muss auf unterschiedlichen Ebenen angesetzt werden. Hierzu zählen die institutionelle Ebene, die gesellschaftliche und politische Ebene, aber auch die persönliche Ebene. Mit letzterer verbindet sich insbesondere das Konzept des Empowerments, bei dem es um eine Befähigung, Ermutigung und Stärkung des Individuums in Richtung Selbstbestimmung, Selbstwirksamkeit und Stärke geht. Meist hindern die Sozialisationserfahrungen und ‚Besonderungen‘ das selbstbestimmte und v.a. das eigeninitiative Handeln von Menschen mit Behinderungen. Es geht darum, Menschen mit Behinderungen unabhängig von oder gerade wegen ihrer Hilfen dazu zu befähigen, dass sie ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen können, sich ihrer Fähigkeiten bewusst werden (wiederentdecken) und lernen, diese zu nutzen. Es geht nicht darum, sich ausschließlich auf Hilfen, wie Integrationshelfer/innen im schulischen Bereich, zu berufen oder sich gar auf diesen ‚auszuruhen‘.

Im Kreis Kleve gibt es seit 2014 das Projekt KIM – Kinderinteraktionsmodell, das von der Praxis Apfelbaum in Zusammenarbeit mit dem Kreis Kleve durchgeführt wird und das insbesondere an der persönlichen Ebene ansetzt. Ausschlaggebender Impuls war für das Projekt der Aspekt, dass viele Schüler/innen mit Förderbedarf häufig dauerhaft von der Hilfe der Betreuungspersonen – d.h. von Integrationshelfer/inne/n abhängig bleiben, die zudem im Fachdiskurs sehr umstritten sind. Die Abhängigkeit von Hilfen kann häufig auch dazu führen, dass Betroffene Außenseiterrollen einnehmen. Die Ziele des Projekts bestehen darin, in der Wahrnehmungsförderung, durch soziales Kompetenztraining und im Verhaltenstraining mit dem Kind (Einzel- und Gruppenförderung in Schule) Barrieren in den Köpfen von Betroffenen, Mitschüler/inne/n, Lehrer/inne/n und Eltern abzubauen.

Mit Hilfe einer zweijährigen Begleitung durch eine heilpädagogisch-therapeutischen Praxis soll es Schüler/inne/n mit Förderbedarf ermöglicht werden, selbstständiger zu werden. Sie sollen nicht mehr auf die Begleitung eine/s/r Integrationshelfer/in/s angewiesen sein, sondern anschlussfähige ‚Requisiten zur Selbst-Inszenierung‘ erhalten. Mitschüler/innen, Eltern, Familie sowie Lehrer/innen werden dabei intensiv eingebunden (z.B. in Form von Beratung, Psychoedukation, Mediation, ...).

Das Programm wurde in Kooperation mit dem Kreis Kleve entwickelt. Durch die heilpädagogisch-therapeutische Praxis Apfelbaum wird es umgesetzt. Zudem besteht eine Kooperation mit den Abteilungen Jugend und Soziales des Kreises Kleve. Finanziert wird das Projekt durch den Kreis Kleve. Es gab eine Anschubfinanzierung durch den Landschaftsverband Rheinland.

KIM hat im Sommer 2016 den Projektstatus verlassen. Seit dem Schuljahr 2016/17 wird KIM als ständige Alternative zur bisherigen Betreuung durch Integrationshelfer/innen im Kreis Kleve angeboten. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Kinder mit Förderbedarf nicht durch fortwährende Hilfen in ihrer Hilflosigkeit bestärkt werden, sondern Hilfe zur Selbsthilfe erhalten, damit ihnen eine eigenständige und selbstbestimmte Teilhabe am Unterricht und am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird.

Positiv an der innovativen Maßnahme ist auch, dass das aktuelle Konzept der Schulbegleitung kritisch betrachtet wird und nicht nur der/die Schüler/in in den Blick genommen wird, sondern auch die Eltern, Mitschüler/innen und Lehrer/innen (systemischer Ansatz). Das Programm ist eine Alternative zur Schulbegleitung und soll insbesondere Kindern mit kognitiven oder seelischen Behinderungen Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen. Der besondere Anknüpfungspunkt des Projekts ist insbesondere im individuellen Ansatz zu sehen, in der Unterstützung, dahingehend sich mit der eigenen Behinderung positiv auseinanderzusetzen und hinsichtlich der Andersartigkeit auch die Mitmenschen sowie Mitschüler/innen darauf hin zu sensibilisieren.

Einen solchen Projektansatz gilt es letztlich als Ergänzung anzusehen bzw. in weitere Konzepte und Maßnahmen zur Weiterentwicklung inklusiver Strukturen einzubinden. D.h. es sollte anschlussfähig sein: Die Arbeit sollte nicht ausschließlich auf die Unterstützung von Betroffenen abzielen, sondern gezielt auch das Umfeld und die gesellschaftlichen sowie äußeren Barrieren in den Blick nehmen und an diesen gezielt ansetzen. Im Vordergrund soll nicht der Therapieaspekt stehen, sondern allein die Aspekte der personenzentrierten und ressourcenorientierten Unterstützung: die Befähigung des Einzelnen zu mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit, die damit verbundene Verringerung der Abhängigkeit von Hilfen und die gegenseitige Sensibilisierung und Akzeptanz gegenüber der Verschiedenheit von Schüler/inne/n mit und ohne Behinderungen. Zu berücksichtigen gilt, dass die Förderung von Empowerment auch gewisse Grenzen beinhaltet: zum Beispiel, dass bestimmte Kinder auf besondere Formen der Unterstützung oder Assistenz angewiesen sind und auch ein Recht darauf haben. Ein weiterer wichtiger Ansatz ist es daher, dies in der Schule strukturell zu verankern (um der Vielschichtigkeit der Schüler/innen Rechnung zu tragen) und um nicht die Unterstützung an Integrationshelfer „auszulagern“ und die Kinder damit zu besondern.

Das Projekt kann somit einen Beitrag zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung im Sinne von Artikel 8 der UN-BRK leisten. Ebenso unterstützt es damit die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung im Sinne von Artikel 24 der UN-BRK, denn es trägt dazu bei, dass eine Sensibilität bei der Schullandschaft entsteht und neue Ideen und Konzepte im schulischen Bereich ‚erprobt‘ werden können.

Lebensbereich

  • Bildung
  • Unterstützung
  • Kommunikation und Interaktion

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.