Haupt-Navigation

Sie befinden sich hier

Inhalt

Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben

Der allgemeine Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderungen oder chronisch kranke Menschen oftmals schwer zugänglich. Dieser Umstand ist besonders schwerwiegend, weil die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung wirtschaftliche Unabhängigkeit, eine selbstbestimmte Lebensweise, soziale Anerkennung, Status und Selbstwert sowie die Einbindung in die Gemeinschaft ermöglichen kann. Soziale Zugehörigkeiten und Anerkennung werden nach wie vor wesentlich über die Teilhabe am Arbeitsleben bestimmt.
Trotz rechtlicher Rahmenbedingungen, Förderprogrammen und Maßnahmen zur Eingliederung von Menschen mit Behinderung sowie verschiedener Initiativen, Projekte und anderen Hilfsangeboten, hat sich die Beschäftigungssituation auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung oder chronisch kranken Menschen in den letzten Jahren nur unwesentlich verbessert. Insgesamt ist die Arbeitsmarktlage für diese Menschen trotz der Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) durch ein hohes Maß an Ausgrenzung geprägt.

Inklusion gilt als allgemeiner Grundsatz der UN-BRK, zu den zentralen Zielen gehört es, die Wahrnehmung sozialer Teilhabe und gesellschaftlicher Anerkennung von Menschen mit Behinderung zu stärken. Für gleichberechtigte Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen kommt Arbeit und Erwerbstätigkeit eine entscheidende Bedeutung zu. Die Möglichkeit, einer frei gewählten Erwerbstätigkeit nachgehen und so den eigenen Lebensunterhalt weitgehend selbstständig sichern zu können, erleichtert Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte Lebensweise, wodurch eine positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen und ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein ihnen gegenüber gefördert wird.

Wichtige Leitideen, um die Ausgrenzung vom allgemeinen Arbeitsmarkt von Menschen mit Behinderung zu beseitigen und diesen prinzipiell für alle zu öffnen, werden in Artikel 27 der UN-BRK definiert. Auf der Grundlage der Gleichberechtigung mit allen anderen beschreibt Artikel 27 das Recht von Menschen mit Behinderung auf Arbeit. Dieses Recht auf Arbeit schließt die Möglichkeit ein, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die frei gewählt oder angenommen wird. Gleichzeitig spricht die UN-BRK in Artikel 27 die staatliche Verpflichtung aus, durch eine geeignete Beschäftigungspolitik und die Schaffung von erforderlichen Rechtsgrundlagen, die Verwirklichung des Rechts auf Arbeit basierend auf einem Gleichheitskonzept zu sichern und zu fördern. Insofern enthält Artikel 27 auch eine Konkretisierung des allgemeinen Diskriminierungsverbotes.

Konkret stellt Artikel 27 in diesem Zusammenhang fest, dass das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen insbesondere die Möglichkeit der Arbeit in einem offenen, inklusiven und für Menschen mit Behinderung zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld meint. Es geht dabei um die Öffnung und Ausgestaltung eines Arbeitsmarktes (als Ganzes) und eines Arbeitsumfeldes (als Ausschnitt aus diesem Arbeitsmarkt), indem durch geeignete Schritte Zugangsbarrieren abgebaut und segregierende Strukturen durchbrochen werden können.

Zusammengefasst fordert Artikel 27 der UN-BRK die verbindliche Rechtspflicht zur Realisierung einer humaneren und gerechteren Arbeitswelt, so dass Menschen mit Behinderung grundsätzlich

  • einen Beruf erlernen können
  • dort arbeiten können, wo Menschen ohne Behinderung auch arbeiten
  • selbst entscheiden können, ob sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten möchten, in Inklusionsbetrieben oder einer alternativen Beschäftigungsform in Werkstätten für Menschen mit Behinderung nachgehen möchten
  • angemessen bezahlt werden für ihre Arbeit und ihren Lebensunterhalt möglichst selbstständig und unabhängig von Sozialleistungen sichern können.

Außerdem muss der Staat

  • mehr Gelder zur Verfügung stellen
  • geeignetere rechtliche Grundlagen schaffen und
  • Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um insbesondere die Ausbildung und dauerhafte Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in Betrieben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu fördern.

Die drei Leitideen lauten, so wenig Sonderarbeitswelten, wie möglich, wenn schon Sonderarbeitswelten, dann so normal wie möglich und die Verwirklichung einer inklusiven Arbeitswelt[1].

Besonders im Bereich Arbeit geht es stärker darum, Inklusion von vorneherein dauerhaft in den bestehenden Strukturen umzusetzen oder neue, dauerhafte Strukturen zu etablieren. In beiden Fällen müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Wie dies gelingen kann, erfahren Sie in unserem Bereich Arbeit auf den folgenden Seiten.

 


[1] Hinterberger-Trenk, Peter (2015): Der Weg in eine inklusive Gesellschaft – neue Rahmenbedingungen nach der UN-Behindertenrechtskonvention, S. 103-117; In: Degener, Theresia, Diehl, Elke (Hrsg.)(2015): Handbuch Behindertenrechtskonvention. Teilhabe als Menschenrecht – Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe. Bonn: bpb Bundeszentrale für politische Bildung (Schriftenreihe/ Bundeszentrale für Politische Bildung, 1506).